Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

17. Kapitel (40—41). Fulgentius wird nach Sardinien verbannt.

Inzwischen kamen plötzlich Häscher des grausamen Königs, um auch den edlen Bekenner Christi zu verhaften und mit den übrigen Bischöfen in die Verbannung nach Sardinien zu schleppen. In aller Eile wurde er fortgeführt. Wenn es ihn auch schmerzte, daß seine Gemeinde, die bisher noch nicht durch seine Ermahnungen und Predigten belehrt worden war, in Zukunft verwaist sein werde, so überwand er doch voll heiliger Weisheit die Trauer darüber durch die noch größere Freude, daß er an einem so glorreichen Bekenntnis teilhaben durfte. Begleitet von den Mönchen und Geistlichen, eilte der herrliche Lehrmeister beider Stände unter den Tränen aller Laien vom Sitz der Ehre zum Schauplatz des heiligen Kampfes, bereit, dem katholischen Glauben mit freimütigem Sinn und lauter Stimme vor Königen und Mächten Zeugnis zu geben. Karthago nahm ihn bei seiner Ankunft auf und verkostete in einigen wenigen seiner Bürger die Frucht seiner Bekanntschaft. Es brachte ihm [S. 90] zahlreiche Geschenke, die der heilige Fulgentius für jenes Kloster bestimmte, dessen Bau er angeordnet hatte.

Er selbst bestieg in äußerster Armut, gemartert an Leib und Seele, das Schiff; mit sich führte er den reichen Schatz einer einzigartigen Wissenschaft, aus dem er alle überall, wohin er kam, mit unerschöpflicher Freigebigkeit speiste. Unter den anderen Bischöfen, mit denen er die gemeinsame Verbannung teilte, war er dem Weihealter nach der jüngste; aber an Tugend der Geduld und Liebe war er nicht der letzte. Wenn in Zweifelsfällen, wo besonders Rat gesucht wurde, die seligen Bekenner über den gemeinsamen Nutzen unter sich berieten, saß er zwar an letzter Stelle; jedoch selbst der Primas und alle Bischöfe nach ihm wünschten seinen Rat zu hören und nach ihm zu handeln, obgleich jener nichts aus eitler Ruhmbegierde für sich in Anspruch nahm, sondern den älteren Bischöfen die ihnen zukommende Ehrerbietung erwies.

Wenn er einmal auf eine Anfrage eine Antwort geben mußte, so war er doch stets bereit, sich der Ansicht der anderen zu fügen, um nichts gegen ihren Willen zu erzwingen. Wenn es aber nach langwierigen Verhandlungen zu einem gemeinsamen Entschluß gekommen war, wurde es der Beredsamkeit des seligen Fulgentius überlassen, ihn dem Verständnis der übrigen begreiflich zu machen.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung zu Fulgentius
Einleitung zur Fulgentius-Vita

Navigation
. . Mehr
. . 9. Kapitel (26—27). ...
. . 10. Kapitel (28). Fulg...
. . 11. Kapitel (29). Fulg...
. . 12. Kapitel (29—31). ...
. . 13. Kapitel (31—35). ...
. . 14. Kapitel (35—36). ...
. . 15. Kapitel (37). Lebe...
. . 16. Kapitel (38—39). ...
. . 17. Kapitel (40—41). ...
. . 18. Kapitel (41—42). ...
. . 19. Kapitel (43). Grü...
. . 20. Kapitel (44—45). ...
. . 21. Kapitel (46—49). ...
. . 22. Kapitel (49—50). ...
. . 23. Kapitel (50). Sein...
. . 24. Kapitel (51—53). ...
. . 25. Kapitel (54—55). ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger