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Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

13. Kapitel (31—35). Fulgentius muß in sein früheres Kloster zurückkehren. Er wird zum Priester geweiht; der bischöflichen Würde sucht er sich durch die Flucht zu entziehen.

Der heilige Fulgentius aber, der lieber Schüler als Lehrer sein wollte, war damit einverstanden, dort zu bleiben, wo er Untergebener war, und scheute sich, dahin zurückzukehren, wo er der Vorgesetzte aller sein sollte. Da nun faßten der Abt Felix und alle Brüder, die er verlassen hatte, in ihrem Schmerz und ihrer Not einen Entschluß und wandten sich unter dem Schutz des heiligen Bischofs Faustus gegen die Mönche auf der Insel. Dieser machte sofort unter Berufung auf seine bischöfliche Autorität Anspruch auf Fulgentius, der sein Mönch sei;1 er verlangte, daß er ihm zurückgegeben werde und sich an dem Ort aufzuhalten habe, den er bestimme. Diejenigen, die sich gegen diese Forderung auflehnen sollten, bedrohte er mit der Exkommunikation; er erklärte ferner, Fulgentius selbst sei, wenn er nicht Folge leiste, den Ungehorsamen gleich zu achten. Kurz: Fulgentius wird seinem früheren Kloster zurückgegeben und muß das Amt des Abtes wieder auf sich nehmen. Ferner weihte ihn der Bischof, damit er nicht wiederum in seinem geistlichen Streben wankend werde, kurz entschlossen zum Priester, damit er auf Grund seiner Würde als Abt und Priester sein Kloster in Zukunft [S. 81] nicht mehr verlasse und auch nicht in einer anderen Kirche einmal zum Priester geweiht werden könne.

Der selige Fulgentius sah sich besiegt und ergab sich, mit Ehrenfesseln gebunden, nunmehr darein, seinem Kloster vorzustehen. Der Ruhm seines Namens wuchs ständig und verbreitete sich über alle afrikanischen Provinzen. Selbst im Gebiet der Nunter2 wurde er wie der eigene Bischof verehrt; und alle waren bereit, sobald die Möglichkeit, einen Bischof zu weihen, sich biete, mit ihrer Stimme und ihren Wünschen die höchste priesterliche Würde für Fulgentius zu beantragen und keinen anderen als ihn zum Bischof weihen zu lassen, Gott sah den Wunsch des Volkes, und auch Fulgentius blieb er nicht verborgen. Weil aber damals durch einen Befehl des Königs die Konsekration von Bischöfen verboten und es nicht möglich war, den verwaisten Gemeinden Hirten zu geben, fühlte er sich des Verbotes wegen in Sicherheit; er hielt es daher für unnötig, durch die Flucht einer Ehre auszuweichen, die keiner weder verleihen noch annehmen durfte.

Schließlich aber faßte die heilige Schar der Bischöfe, die in ihrer Heimat hatten zurückbleiben dürfen, den gemeinsamen Plan, trotz des königlichen Verbotes an allen Orten Bischöfe zu weihen. Sie hofften, der Zorn des Königs werde sich, wenn er etwa auflodere, wieder legen, so daß die Geweihten unbehelligt in ihren Gemeinden leben könnten, oder, wenn der Sturm der Verfolgung aufs neue ausbreche, würden diejenigen sich die Krone durch das Bekenntnis des Glaubens erwerben, die sie des bischöflichen Amtes für würdig erachteten; sie würden leichter ihre bischöfliche Pflicht erfüllen und ihrem Volke inmitten der Trübsal Trost spenden. So kommt es plötzlich zu einer allgemeinen [S. 82] Bewegung, indem die einzelnen Gemeinden miteinander wetteiferten, Priester und Diakone, und auf wen sonst die Wahl fiel, sogar unter Anwendung von Gewalt in aller Eile zum heiligen Dienst zu bestimmen und zu weihen; kein Platz wollte in diesem eifrigen Bestreben als lässig oder der letzte erscheinen.

Da nun kam der heilige Fulgentius den Wünschen der Wähler durch schnelle Flucht zuvor und verbarg sich in einem unbekannten Versteck, so daß man ihn trotz eifrigen Suchens nirgendwo finden konnte. Die Gemeinde des Ortes, an dem sich sein Kloster befand, beabsichtigte deshalb, die Wahl hinauszuschieben, bis man den seligen Fulgentius gefunden habe. Aus Furcht jedoch, während des langen Suchens nach Fulgentius könne die Kunde von ihrem Vorhaben nach Karthago dringen und von dort ein neues königliches Verbot ergehen, ließen sich die Gläubigen mit Rücksicht auf die gebotene Eile bereden, einen anderen aus ihren Klerikern auszusuchen. So überließ der heilige Fulgentius an vielen Orten, an denen er der erste oder einzige Kandidat war, nachdem man ihn nicht hatte auffinden können, anderen die Möglichkeit, zur höchsten geistlichen Würde aufzusteigen.

Schon war fast die gesamte Provinz Byzacena mit neuen Bischöfen versorgt; nur wenige Bischofssitze waren unbesetzt geblieben. Aber die Grausamkeit des Königs erwachte von neuem, und er befahl, alle in die Verbannung zu schicken. An dem Konsekrator selbst, dem Primas Victor,3 wurde der Strafbefehl zuerst ausgeführt; er wurde von den ausgeschickten Häschern gefangen und nach Karthago geschleppt. So verwandelte sich, als nun allgemein noch größere Bedrängnis folgte, [S. 83] die Freude über die vollzogenen Weihen in öffentliche Trauer,

Als nun der selige Fulgentius durch geheime Boten erfuhr, die Zeit der Bischofsweihen sei vorüber, kehrte er im Glauben, die nächstgelegenen Städte hätten ihren Bischof erhalten, wieder zurück, um die Leitung seines Klosters fortzuführen; er war außer aller Furcht und froh bei dem Gedanken, der Bürde des bischöflichen Amtes entronnen zu sein. In seinem tieferen Ratschluß aber führte Gott seinen vorher gefaßten Plan zu Ende, demjenigen, dem er die Gabe der heilsamen Lehre geschenkt hatte, auch die Autorität des Lehramtes zu verleihen, damit dem katholischen Glauben der treueste Verteidiger gegen die Arianer nicht fehle. In der Zeit der Trübsal wollte er das Gefäß der Auserwählung nicht verbergen, durch das er seine Lehre zu verkünden beschlossen hatte.

1: Das von Fulgentius nach seiner Rückkehr aus Rom gegründete Kloster lag zwar nicht in der Diözese des Faustus; da sich aber die Mönche als exempt von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs betrachteten, konnten sie sich an Faustus wenden, von dem Fulgentius in den Ordensstand aufgenommen worden war.
2: In manchen Handschriften wird der Name dieser Völkerschaft auch mit Inditi oder Vinti angegeben. Welche damit gemeint ist, läßt sich nicht bestimmen. Nach J. Lapeyre (St. Fulg. 145) könnte man vielleicht an die Nybgenii denken, die im Süden der Byzacena, zwischen Gafsa und Gabes, wohnten.
3: Da der Name Victor in jener Zeit sehr häufig vorkommt, ist es unmöglich, die Persönlichkeit des Primas der Byzacena eindeutig zu bestimmen, Lapeyre (a. a. O. 148) denkt an den Bischof von Nara, der in der Liste der Teilnehmer an dem Religionsgespräch von Karthago an elfter Stelle aufgeführt ist.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger