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Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)
Drittes Buch: Wertlosigkeit der heidnischen Schriftsteller und ihrer Lehren; Heiligkeit und hohes Alter der christlichen.

7. Deren Widersprüche über das Dasein und Wesen der Götter, über die menschliche Seele und die göttliche Vorsehung.

Denn obwohl sie das Dasein der Götter zuvor behaupten, so machen sie diese Behauptung wieder zunichte. Die einen nämlich sagen, die Götter beständen aus Atomen, die andern, sie lösten sich wieder in Atome auf, und die Götter hätten nicht mehr Macht als die Menschen. Plato, der das Dasein der Götter annimmt, will, daß sie aus der Materie bestünden. Pythagoras, der sich über die Götter soviel geplagt und seine Reisen Land aus Land ein gemacht hat, bestimmt zuletzt die Natur (als höchstes) und behauptet die Zufälligkeit des Alls, und daß die Götter sich um die Menschen durchaus nicht kümmern. Und alle die Aussprüche für den Atheismus ferner, welche der Akademiker Klitomachus vorbrachte. Was haben nicht auch Kritias und der Abderite Protagoras gesagt? „Denn wenn es Götter gibt, so kann ich über sie nicht sprechen noch darlegen, wie sie beschaffen sind; denn ich finde da viele Hindernisse“. Über Euhemerus, den ärgsten Atheisten, ist auch nur zu reden überflüssig. Denn nachdem er viele Äußerungen über die Götter gewagt, wagt er zuletzt auch die, es gebe überhaupt keine, sondern er läßt die Welt vom Zufall regiert werden. Plato, der soviel über den Monotheismus und die menschliche Seele geschrieben, der er die Unsterblichkeit zuerkennt, sagt später selbst wieder offen das Gegenteil, indem er behauptet, daß die Seelen immer wieder in andere Menschen, die einiger sogar in Tiere übergehen. Wie sollte Leuten, die Vernunft besitzen, diese seine Lehre nicht schrecklich und gottlos erscheinen, nach der ein Wesen, das einst ein Mensch gewesen, hinwieder ein Wolf oder Hund oder Esel oder ein anderes unvernünftiges Tier werden soll? Gleiche Faseleien findet man auch bei Pythagoras, der zudem auch noch die Vorsehung [S. 83] wegdemonstriert. Wem nun sollen wir glauben, dem Komiker Philemon, der da sagt:
„Denn jene, die die Gottheit ehren, haben stets
Des Heiles beste Hoffnungen“
oder den oben genannten, einem Euhemerus oder Epikur und Pythagoras und den übrigen, die (jede) Verehrung der Gottheit verwerfen und die Vorsehung leugnen? Über die Gottheit und die Vorsehung sagt Aristo:
„Nur Mut! Es pflegt die Gottheit allen Würdigen
Zu helfen, zumal aber solchen Wackeren,
Genießen einen festbestimmten Vorzug nicht,
Die rechtlich leben, ei! was lohnt sichs, fromm zu sein!
„Es sei denn so! Jedoch ich sehe gar zu oft,
Die frommen Wandel sich erwählen, ohne Glück
Im Leben steh'n, doch solche, die nichts anderes,
Als nur, was ihnen Nutzen bringt, als Ziel gewählt,
In ehrenreich'rer Stellung als wir anderen.“
Für gegenwärtig, ja! Doch muß man vorwärts schau'n
Und auf der Dinge letzte Wendung wartend seh'n.
Denn nicht, wie bei gar manchen sich die Meinung hält,
Die schlimm von Art und nutzlos für das Leben ist,
Ist blinder Zufall Lenker, oder fällt der Lohn
Nur zu, so wie sich's eben trifft: denn dieser Wahn
Erhöht den Reiz zur Missetat dem Bösewicht.
Wer heilig lebt, hat hohen Lohn zu hoffen auch,
Den Schlechten aber trifft die Strafe nach Gebühr.
Denn nichts geschieht vom höh'ren Walten losgetrennt.“

Und bei allem, was die andern und beinahe die meisten Schriftsteller über die Gottheit und die [S. 84] Vorsehung gesagt haben, kann man sehen, welche Widersprüche sie vorbringen. Die einen nämlich haben die Gottheit und die Vorsehung ganz ausgeschaltet, die andern wieder einen Gott aufgestellt und erklärt, daß alles durch höhere Vorsehung geleitet werde. Der verständige Zuhörer und Leser also muß genau auf das Gesagte achten, wie Simylus sagt:
„Man gibt den Dichternamen allgemein,
Den schlechtbegabten, wie den guten, nach Gebrauch;
Doch sollte Urteil herrschen.“

Und wie auch Philemon sagt:
„Ein unverständ'ger Hörer ist ein schlimmes Ding,
Denn weil er unverständig, schilt er selbst sich nie.“

Es ziemt sich also, das von den Philosophen und hinwiederum von den Dichtern Gesagte wohl zu beachten und ernstlich zu untersuchen und zu erwägen.

 

 

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Gregor Emmenegger