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Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)
Zweites Buch: Widersinnigkeit des Heldentums und Erhabenheit der christlichen Wahrheit

10. Die Lehre vom Logos und von der Schöpfung.

Und zwar lehrten sie uns erstens in voller Übereinstimmung, daß Gott das Weltall aus dem Nichts erschaffen. Denn nichts existierte neben Gott, sondern er selbst war sein Raum, war sich selbst vollkommen genug und war da vor allen Zeiten. Er wollte aber den Menschen schaffen, um von ihm erkannt zu werden; für [S. 38] diesen also bereitete er die Welt zu. Denn der Gewordene ist vieler Dinge bedürftig, der Ewige aber ist bedürfnislos. Es zeugte also Gott mit seiner Weisheit sein Wort, das er in seinem eigenen Innern beschlossen trug1, indem er es vor allen Dingen aus sich hervortreten ließ. Dieses Wort nun gebrauchte er als Mittel aller seiner Schöpfungen und erschuf alles durch dasselbe2. Dies Wort heißt „der Anfang“, weil es das Prinzip und der Herr aller Dinge ist, die durch dasselbe sind geschaffen worden. Dies Wort also, das da ist der Geist Gottes3, das Prinzip (aller Dinge), die Weisheit und Kraft des Allerhöchsten, war es, das auf die Propheten herabkam und durch sie die Offenbarungen über die Erschaffung der Welt und die übrigen Dinge redete. Denn die Propheten waren noch nicht, als die Welt entstand, aber die Weisheit Gottes, die in ihm ist, und das hl. Wort Gottes, das ewig bei ihm wohnt, waren schon4. Eben aus diesem Grunde spricht es auch durch den Propheten Salomon: „Als er den Himmel zubereitete, war ich bei ihm, und als er den Grund der Erde fest machte, war ich bei ihm und ordnete mit“5. Moses, der viele Jahre vor Salomon lebte, vielmehr das Wort Gottes durch ihn als Organ, sagt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“6. Zuerst spricht er vom Anfang und vom Schaffen, und so verband er dann Gott damit. Man soll nämlich Gott nicht müßig und eitel nennen. Denn die göttliche Weisheit wußte im voraus, daß manche eitel daher reden und eine Menge nicht existierender Götter erfinden würden. Damit also der wahre Gott aus seinen Werken erkannt werde, und auch, daß Gott in seinem Worte Himmel und Erde und [S. 39] alles, was darinnen ist, erschaffen habe, sagte er: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Hernach, nachdem er ihre Erschaffung erzählt hat, fährt er erklärend fort: „Die Erde war unsichtbar und ungeordnet, und Finsternis war über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser“. Dies lehrt die göttliche Schrift also zuerst, nämlich gewissermaßen einen Urstoff, von Gott erschaffen, aus dem Gott die Welt gemacht und geformt hat.

1: [Logon endiatheton[Λόγον ἐνδιάθετον; vgl. hierüber Buch II, c. 22.
2: Joh. 1, 3.
3: = geistiges Erzeugnis oder: erzeugt aus dem innersten Wesen Gottes.
4: Hier wie oben („zeugte mit seiner Weisheit das Wort“) unterscheidet Theophilus deutlich drei Hypostasen in der Gottheit, wiewohl er gleich wieder den Logos „Weisheit“ nennt. Vgl. Otto zu dieser Stelle.
5: Sprichw. 27, 29.
6: 1 Mos. 1, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger