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Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)
Zweites Buch: Widersinnigkeit des Heldentums und Erhabenheit der christlichen Wahrheit

37. Aussprüche der heidnischen Dichter über die Bestrafung der Frevel.

Schon einige Dichter haben dieses ausgesprochen, gleichsam als Urteil gegen sich selbst und zum Zeugnis gegen diejenigen, welche Unrecht tun, indem sie sagen, daß diese gestraft werden würden. Äschylus sagt1:
„Wer Übles tut, der muß es auch leiden.“

Pindar sagt ebenfalls:
„Da ja,
Die Böses getan, es büßen müssen.“

Ebenso sagt Euripides:
„Erfährst du Übles, duld es; freudig ja tat'st du's;
Gesetz ist's, Übel dem Feind, wo du ihn triffst, zu tun.“

Und wiederum sagt derselbe:
„Den Feinden Böses tun, halt ich für Mannes Pflicht.“

In gleicher Weise Archilochus:
„Eines weiß ich,
Wichtiges: Dem, der uns Übles tut, das Ärgste zum Entgelt zu tun.“

Und über die Wahrheit, daß Gott alles sieht und nichts ihm verborgen ist, daß er aber in seiner Langmut zuwartet, bis er ins Gericht geht, auch darüber sagt Dionysus2:
„Der Dike3 Auge schaut mit ruh'gem Blick umher,
Doch sieht er alles stets im gleichem Maß.“

Und daß das Gericht Gottes kommen und das Wehe [S. 74] über die Schlechten plötzlich hereinbrechen werde, hat Äschylus angedeutet mit den Worten:
„Mit schnellem Schritt tritt das Weh den Sterblichen an,
Wer immer nur durch Frevel je das Recht verletzt.
Du siehst die Dike nahen, lautlos, ungeseh'n
Vom Schläfer, Wand'rer, und vom sorglos Sitzenden.
Bald tritt sie gleich quer in den Weg, bald später auch.
Nicht hüllt die Nacht den schlimmen Übeltäter ein,
Und, was du Übles tust, o glaub mir, Einer sieht's.“

Sagt nicht auch Simonides:
„Kein Unglück erfolgt
Für Menschen unerwartet; in geringer Zeit
Stürzet die Gottheit alles um.“

Wiederum sagt Euripides
„Nie ist das prunkende Glück und des Schlechten behäbiger Wohlstand
Für dauernd anzuseh'n, noch auch
Gottloser Menschen Geschlecht; denn die ungezeugte Zeit
Bringt der Menschen Schlechtigkeit ans Licht.“

Ferner Euripides:
„Denn die Gottheit ist bewußtlos nicht, sie kennt gar wohl die Eide,
Die mit Frevel sind geschworen, oder die der Zwang erpresset.“ (Iphig. in Aul. V 396 flg.)

Und Sophokles:
„Hast Schlimmes du geboten, mußt du's leiden auch.“

Daß also Gott über einen falschen Eid oder welches Verbrechen immer dereinst zu Gericht sitzen wird, haben auch diese Männer vorausgesagt; ebenso haben sie über die Zerstörung der Welt durch Feuer mit oder [S. 75] wider Willen ähnliches wie die Propheten gesagt; freilich waren sie später als jene und haben ihre Kenntnis aus dem Gesetze und den Propheten entlehnt.

1: Die nachfolgenden Stellen von Dichtern sind bis auf Pind. Nem. IV 51 aus verlorenen Werken.
2: Ein sonst unbekannter Dichter.
3: Die strafende Gerechtigkeit.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger