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Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)
Zweites Buch: Widersinnigkeit des Heldentums und Erhabenheit der christlichen Wahrheit

4. Widersprüche der heidnischen Philosophen über die Götter und die Entstehung der Welt.

Einige Philosophen aus der stoischen Schule leugnen das Dasein Gottes ganz; oder, wenn es auch einen Gott gebe, so kümmere er sich um nichts als um sich selbst. Und dies hat die Torheit des Epikur und Chrysippus wirklich ausgesprochen. Andere sagen, es herrsche blinder Zufall im All, und die Welt sei von jeher, und die Natur ewig; ja sie wagten sogar zu behaupten, es gebe keine göttliche Vorsehung für das Ganze, [S. 29] sondern nur das Bewußtsein des Einzelnen sei Gott. Andere wieder erklären den alles durchdringenden Lebensodem (das Lebensprinzip) für Gott. Plato und seine Schule geben zwar einen Gott zu, der nicht erst geworden, Vater und Schöpfer des Alls sei; aber dann nehmen sie zu Gott hinzu auch noch eine Materie an, die ungeschaffen und mit Gott gleich alt sei. Wenn aber Gott ohne Anfang und die Materie ohne Anfang ist, so ist Gott nicht mehr der Schöpfer des Alls nach den Platonikern; auch kann die Absolutheit Gottes nicht mehr aufrecht gehalten werden, nach ihnen wenigstens. Wenn ferner die Materie ohne Anfang ist, wie Gott, der, weil ohne Anfang, unveränderlich ist, so ist sie auch unveränderlich und Gott gleich. Denn dasjenige, was werden kann, ist veränderlich und dem Wechsel unterworfen; was ohne Anfang ist, ist unveränderlich und keinem Wechsel unterworfen. Was ist ferner Großes daran, wenn Gott aus einer vorhandenen Materie die Welt gemacht hat? Bildet doch auch ein menschlicher Künstler, wenn er irgendwoher einen Stoff erhält, aus ihm, was er will. Gottes Allmacht zeigt sich aber darin besonders, daß er aus dem Nichtseienden macht, was er will, wie es auch keinem andern als nur Gott eigen ist, Leben und Bewegung zu geben. Denn ein Mensch macht zwar ein Bild, aber Seele, Odem und Empfindung kann er seinem Werke nicht verleihen. Gott aber besitzt noch eine höhere Macht als der Künstler, nämlich ein denkendes, atmendes, empfindendes Wesen zu bilden. Wie also in allen diesen Beziehungen Gott mächtiger ist als der Mensch, so ist ihm auch eigen, die Dinge aus nichts zu erschaffen und erschaffen zu haben, so viele und auf welche Weise er will.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger