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Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)
Zweites Buch: Widersinnigkeit des Heldentums und Erhabenheit der christlichen Wahrheit

25. Gott war in seinem Verbote nicht ungerecht.

Der Baum der Erkenntnis selbst war gut, und auch seine Frucht war gut. Es brachte nämlich nicht, wie einige meinen, der Baum den Tod, sondern der Ungehorsam. Denn in der Frucht war nichts anderes, als nur die Erkenntnis. Die Erkenntnis aber ist gut, wenn man sie auf rechte Weise benützt. Adam dort aber war seinem dermaligen Alter nach noch ein Kind, deswegen konnte er die Erkenntnis noch nicht nach Gebühr fassen. Denn auch jetzt ist es so: wenn das Kind geboren wird, ist es nicht sofort imstande, Brot zu essen, sondern es wird zuerst mit Milch genährt und geht erst mit fortschreitendem Alter auch zur festen Nahrung über. So war es wohl auch bei Adam. Deswegen hatte ihm Gott nicht etwa aus Neid, wie manche1 meinen, vom Baume der Erkenntnis zu essen verboten. Ferner wollte er ihn auch prüfen, ob er seinem Gebote gehorchen werde. Zugleich auch wollte er, daß der Mensch in seinem Kindesalter noch für längere Zeit in argloser Einfalt verbleibe. Denn es ist dies nicht bloß vor Gott, [S. 56] sondern auch bei den Menschen etwas Heiliges, in Einfalt und Arglosigkeit den Eltern untertan zu sein. Wenn es aber Pflicht ist, daß die Kinder den Eltern untertan sind, um wieviel mehr muß dies Gott dem Vater des Alls gegenüber geschehen? Ferner ist es auch unschön, wenn kleine Kinder über ihr Alter hinaus altklug sind. Denn wie man an Alter stufenweise wächst, so wächst man auch in der Erkenntnis. Zudem ist, wenn das Gesetz gebietet, sich eines Dinges zu enthalten, und jemand nicht gehorcht, klar, daß nicht das Gesetz an der Züchtigung Schuld ist, sondern der grobe Ungehorsam. Denn auch ein Vater befiehlt seinem Kinde manchmal, sich gewisser Dinge zu enthalten, und wenn dies dem väterlichen Gebote nicht gehorcht, so wird es derb gezüchtigt und ausgescholten wegen seines Ungehorsams. Und es sind nicht gleich die Handlungen die Ursache der Schläge, sondern der Ungehorsam ist es, der dem Ungehorsamen die empfindliche Züchtigung einbringt. So brachte auch dem Ersterschaffenen sein Ungehorsam die Strafe, daß er aus dem Paradiese vertrieben wurde. Nicht als ob der Baum der Erkenntnis etwas Böses an sich gehabt hätte, sondern durch seinen Ungehorsam hatte der Mensch nun Mühsal, Plage, Schmerz zu erdulden und fiel zuletzt dem Tode anheim.

1: Die Marcioniten. Otto.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger