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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch

XVI. Kapitel

93.

1. Wer aber willig ist, sich um des herrlichsten Lohnes willen abzumühen, wird nicht früher von dem Suchen [S. 97] nach der Wahrheit ablassen, als bis er den Beweis von der Heiligen Schrift selbst erhalten hat.

2. Nun gibt es gewisse Erkenntnismittel, die allen Menschen gemeinsam sind, wie die Sinneswerkzeuge; die anderen finden sich dagegen nur bei denen, die die Wahrheit erstreben und sich in ihr üben, nämlich die auf Denken und Überlegen beruhenden Fähigkeiten, zwischen wahren und falschen Sätzen zu unterscheiden.

3. Das Wichtigste ist aber, daß man das unbegründete Meinen aufgibt, durch das man sich in die Mitte zwischen genauem Wissen und voreiliger Einbildung stellt,1 und daß man erkennt, daß jeder, der auf die ewige Ruhe hofft, auch weiß, daß der Eingang zu ihr mühevoll und "eng"2 ist.

4. Wer aber einmal die frohe Botschaft gehört3 und, wie es heißt, "das Heil gesehen"4 hat, soll in der Stunde, da er es kennengelernt hat, "sich nicht nach rückwärts umwenden wie Lots Weib"5 und nicht wieder zu seinem früheren, den Sinnendingen zugewandten Leben oder gar zu den Irrlehrern zurückkehren; denn in irgendeiner Beziehung sind diese streitsüchtig, da sie den wahren Gott nicht kennen.

5. Denn "wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich", den wahren Vater und Lehrer der Wahrheit, der die auserwählte Seele neu geboren werden läßt und neu erschafft und ernährt, "der ist meiner nicht wert",6 womit er meint, nicht wert, Sohn Gottes und zugleich Schüler Gottes und sein Freund und Angehöriger zu sein.

6. "Denn niemand, der zurückschaut und die Hand an den Pflug legt, ist für das Reich Gottes tauglich."7

7. Aber, wie es scheint, gilt für die Masse auch jetzt noch Maria als eine Wöchnerin, weil sie das Kind geboren hat, während sie keine Wöchnerin ist (denn manche erzählen, daß sie, als sie nach der Geburt von einer Hebamme gepflegt wurde, als Jungfrau erfunden worden sei).8

1: Vgl. Strom. VI 162,4; VII 100,7; Sextus Empiricus, Adv. Math. VII 151; Epiktetos, Diss. II 17,1.
2: Vgl. Mt 7,14.
3: Vgl. Hebr 6,4; 4,6.
4: Vgl. Lk 2,30; 3,6.
5: Lk 17,31 f.
6: Mt 10,37.
7: Lk 9,62. Die Textform mit der Umstellung der Glieder findet sich auch im Codex Bzae und in der Itala.
8: Vgl. Protevangelium des Jakobus 19 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger