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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XVI. Kapitel

102.

1. Dementsprechend werden also auch in der Hauptsache zwei Formen der Erziehung vorgesehen, die den beiden Ursachen der Verfehlungen entsprechen, bei der einen die Übermittlung der Erkenntnis und der unwiderlegliche Beweis, der aus dem Zeugnis der Heiligen Schrift entnommen ist; bei der anderen die vernunftgemäße Übung, die die Folge der Erziehung durch Glauben und Furcht ist. Beide entwickeln sich aber zu der vollkommenen Liebe.1

2. Denn das Ziel des Gnostikers hier auf der Erde ist, meine ich, ein doppeltes, einerseits das auf wirkliches Wissen beruhende Schauen (Theorie) andererseits das tätige Handeln (Praxis) Möchte es also doch geschehen, daß auch diese Irrlehrer sich durch diese Darlegungen belehren lassen und so zu Verstand kommen und sich zu dem allmächtigen Gott bekehren!

3. Wenn sie aber "wie die tauben Schlangen das Lied nicht hören",2 das zwar in neuer Weise vorgetragen wird, aber uralt ist,3 so möchten sie sich jedenfalls von Gott erziehen lassen, indem sie die dem Gerichte vorhergehenden väterlichen [S. 106] Zurechtweisungen über sich ergehen lassen, bis sie sich schämen und ihren Sinn ändern, statt daß sie sich durch ihren hartnäckigen Ungehorsam mit Gewalt in das Gericht über ihr ganzes Tun stürzen!

4. Denn es gibt auch Züchtigungen, die sich nur auf einzelne Handlungen des Lebens beziehen, die man Strafen nennt, in welche die meisten von uns, die wir aus dem Volke des Herrn in Verfehlungen geraten sind, hinabgleiten und fallen.

5. Aber wie die Kinder von ihrem Lehrer oder ihrem Vater, so werden wir von der Vorsehung bestraft. Gott rächt sich nicht (die Rache ist nämlich eine Wiedervergeltung von Bösem) sondern straft, um dadurch den Bestraften, sowohl der Gesamtheit wie den einzelnen, zu nützen.4

6. Diese Darlegungen setzte ich hierher in der Absicht, die Lernbegierigen vor der bei ihnen vorhandenen Gefahr der Hingabe an die Irrlehren zu warnen; ich habe aber diese Worte auch mit Rücksicht auf die anderen ausgesprochen, weil ich wünsche, sie von der sie beherrschenden Unwissenheit oder Dummheit oder dem Mangel an Begabung oder, wie man es sonst nennen soll, zu befreien, und weil ich bestrebt bin, diejenigen, die nicht ganz unverbesserlich sind, umzustimmen und für die Wahrheit zu gewinnen.

1: Vgl. Strom. II 55,4.
2: Vgl. Ps 57,5 f.
3: Vgl.Protr. 6,3.
4: Vgl. Platon, Protagoras p. 323 f.; Paid. I 70,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger