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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XVI. Kapitel

95.

1. Gerade also, wie wenn jemand aus einem Menschen zu einem Tier würde, ähnlich wie die von Kirke durch Zauber in Tiere Verwandelten,1 geht es denen, die der kirchlichen Überlieferung verächtlich einen Fußtritt gegeben und sich schnell den Meinungen menschlicher Irrlehren zugewendet haben; sie verlieren die Eigenschaft, Menschen Gottes zu sein und dem Herrn treu zu bleiben.

2. Wer aber aus dieser Verirrung wieder umgekehrt ist, auf die Heilige Schrift gehört und sein eigenes Leben unter die Obhut der Wahrheit gestellt hat, der wird gleichsam aus einem Menschen zu Gott.

3. Denn zu eigen [S. 99] haben wir den Urgrund aller Lehre, den Herrn, der durch die Propheten und durch das Evangelium und durch die seligen Apostel "auf mannigfache und vielfältige Weise"2 vom Anfang bis zum Ende Führer in der Erkenntnis ist.

4. Wenn man aber annimmt, daß der Urgrund noch etwas anderes voraussetze, so kann man ihn nicht mehr als wirklichen Urgrund ansehen. Wer also von sich selbst aus (auf Grund eigener Überzeugung) der Schrift und dem Wort des Herrn Glauben entgegenbringt, der verdient selbst mit Recht Glauben, da jene durch den Herrn bewirkt werden, um den Menschen eine Wohltat zu erweisen.

5. Sicherlich verwenden wir Schrift und Wort des Herrn als den Maßstab für unser Urteil beim Auffinden der Tatsachen. Alles aber, was dem Urteil unterliegt, ist noch nicht sicher, bevor es beurteilt worden ist; daher kann auch etwas, was noch Beurteilung nötig hat, nicht Grundprinzip sein.

6. Nachdem wir also mit Recht durch den Glauben das Grundprinzip ohne Beweise erfaßt haben, erhalten wir zum Überfluß noch vom Grundprinzip selbst auch die Beweise für das Grundprinzip und werden so durch das Wort des Herrn zu der vollen Erkenntnis der Wahrheit angeleitet.

7. Denn wir hören nicht auf Menschen, die einfach irgend etwas behaupten und denen man ebenso eine Gegenbehauptung entgegenstellen könnte.

8. Wenn es aber nicht genügt, nur einfach das zu sagen, was man meint, sondern wir das Gesagte auch beweisen müssen,3 so warten wir nicht die Bezeugung durch Menschen ab, sondern beweisen das, worum sich die Untersuchung dreht, durch das Wort des Herrn, das zuverlässiger ist als alle Beweise, das vielmehr der einzige wirkliche Beweis ist.

9. Infolge dieser Erkenntnis sind diejenigen, die die Heilige Schrift nur gekostet haben, gläubig, diejenigen aber, die noch weiter fortgeschritten sind, die Gnostiker, sind gründliche Kenner der Wahrheit; denn auch in dem gewöhnlichen Leben haben die Fachleute etwas vor den Laien voraus und übertreffen die gewöhnlichen Vorstellungen durch ihre Leistungen.

1: Vgl. Hom. Od. 10,233 ff.
2: Hebr 1,1.
3: Vgl. Strom. VIII 4,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger