Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XVI. Kapitel

105.

1. "Die Weisheit", sagt Salomon, "hat ihre Kinder aufgebläht."1 Nun flößte der Herr bei seinem Unterricht den Kindern doch wohl nicht Einbildung ein, sondern Vertrauen auf die Wahrheit und eine erhabene Gesinnung im Bewußtsein des Besitzes der durch die Heilige Schrift überlieferten Erkenntnis; auf diese Weise macht er sie innerlich erhaben über all das, was zur Sünde verführen will; dies bedeutet das Wort "sie hat aufgebläht", insofern die Weisheit durch ihre Lehren denen, die ihrem Lernen nach Kinder waren, erhabene Gesinnung einpflanzte.

2. Dementsprechend sagt der Apostel: "Und ich werde nicht die Rede, sondern die Kraft der mit Geist Erfüllten (der Aufgeblähten) kennenlernen",2 ob ihr nämlich hochgesinnt (das ist wahrhaftig; denn es gibt nichts, was über die Wahrheit erhaben wäre) die Heilige Schrift versteht.3 Denn darin zeigt sich die Kraft der mit Geist erfüllten (aufgeblähten) Kinder der Weisheit.

3. Er sagt gewissermaßen: Ich will in Erfahrung bringen, ob ihr mit Recht auf eure Erkenntnis stolz seid. Denn "bekannt ist" nach dem Worte Davids "in Judäa Gott",4 das heißt bei den Israeliten, die es ihrer vollen Erkenntnis nach sind.

4. Denn Judäa wird mit "Bekenntnis" übersetzt.5 Mit Recht ist daher von dem Apostel gesagt: "Denn das Gebot: 'Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst dich nicht gelüsten lassen!' und wenn es sonst ein Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefaßt: 'Du sollst deinen Nächsten wie dich selbst lieben!' "6

5. Denn man darf niemals so, wie es die Anhänger der Irrlehren tun, Ehebruch an der Wahrheit begehen und ebensowenig die [S. 109] Richtschnur der Kirche bestehlen, indem man seinen eigenen Begierden und ehrgeizigen Bestrebungen nachgibt und dadurch seine Nächsten betrügt, die man mehr als alles andere lieben und dazu erziehen muß, daß sie sich an die Wahrheit selbst halten.

6. Jedenfalls heißt es ausdrücklich: "Verkündigt unter den Heidenvölkern seine Taten!",7 damit diejenigen, die es zuvor gehört haben, nicht gerichtet, sondern bekehrt werden. Für alle aber, die "mit ihren Zungen Falsches reden",8 ist die Strafe schon im voraus in der Schrift festgelegt.

1: Ekkli 4,11 [Sir]; vgl. O. Stählin, Clemens Aelx. und die Septuaginta S. 48 f. Der wirkliche Sinn des letzten Wortes ist "hat mit Geist erfüllt, hat belehrt."
2: 1Kor 4,19.
3: Vgl. Lk 24,45.
4: Ps 75,2.
5: Vgl. Gen 29,35; Strom. I 31,6 mit Anm.
6: Röm 13,9.
7: Ps 9,12.
8: Ebd. 13,3; 5,10.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
Fünftes Buch
Sechstes Buch
Siebtes Buch
. Mehr
. VIII. Kapitel
. IX. Kapitel
. X. Kapitel
. XI. Kapitel
. XII. Kapitel
. XIII. Kapitel
. XIV. Kapitel
. XV. Kapitel
. XVI. Kapitel
. . 93.
. . 94.
. . 95.
. . 96.
. . 97.
. . 98.
. . 99.
. . 100.
. . 101.
. . 102.
. . 103.
. . 104.
. . 105.
. XVII. Kapitel
. XVIII. Kapitel

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger