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Apostolische Väter - Der Hirte des Hermas
II. Gebote

Elftes Gebot

Über die wahren und falschen Propheten.

1. Er zeigte mir Leute, die auf einer Bank saßen, und dazu einen Menschen, der auf einem Stuhle saß. Und er sagte zu mir: „Siehst du die Leute, die auf der Bank sitzen?“ „Ja, Herr“, erwiderte ich. „Das sind“, fuhr er fort, „gläubige Menschen, und der auf dem Stuhle ist ein falscher Prophet, [der] die Diener Gottes um ihre gute Gesinnung bringt, aber nur die Zweifler, nicht die Gläubigen. 2. Die Zweifler kommen zu ihm wie zu einem Weisen (Zauberer) und fragen ihn, wie es [S. 221] ihnen gehen werde; und dieser falsche Prophet, der nichts von der Kraft des göttlichen Geistes in sich hat, richtet sich in seinen Reden mit ihnen nach ihren Fragen [und nach ihren schlechten Begierden und macht ihnen das Herz voll], so wie sie es wünschen. 3. Da er selbst ein hohler Kopf ist, gibt er auch den hohlen Menschen gehaltlose Antworten; was immer gefragt wird: die Antwort entspricht der Hohlheit des Menschen. Allerdings spricht er auch einige wahre Worte. Denn der Teufel erfüllt ihn mit seinem Geiste, ob er etwa einen Gerechten abwendig machen könne. 4. Alle aber, die im Glauben des Herrn gefestigt, die gewappnet sind mit der Wahrheit, verkehren nicht mit derartigen Geistern, sondern bleiben ihnen fern; die Zweifler aber und die häufig ihre Gesinnung ändern, befragen den Heiden gleich den Seher und ziehen sich eine gar große Sünde zu, da sie Götzendienst treiben; denn, wer einen falschen Propheten über irgendeine Sache befragt, ist ein Götzendiener, ist der Wahrheit bar und töricht. 5. Denn jeder von Gott gegebene Geist lässt sich nicht fragen, sondern im Besitze göttlicher Kraft gibt er von selbst jegliche Auskunft, da er von oben ist, von der Kraft des göttlichen Geistes. 6. Aber ein Geist, der sich fragen lässt und der entsprechend den Wünschen der Menschen redet, ist von der Erde, oberflächlich und ohne Kraft; er redet überhaupt nicht, außer wenn er vorher befragt wird.“ 7. „Wie nun, Herr“, fragte ich, „soll ein Mensch erkennen, wer von ihnen ein richtiger Prophet und wer ein falscher Prophet ist?“ „So vernimm mich über die beiden Prophetenarten; und so wie ich dir sagen werde, wirst du den richtigen und den falschen Propheten beurteilen. Nach seinem Leben erprobe den Menschen, der den göttlichen Geist besitzt. 8. Fürs erste ist der Mensch, der den [göttlichen] Geist von oben besitzt, milde, ruhig, demütig, frei von jeder Schlechtigkeit und von jeder eitlen Begierde nach dieser Welt, er macht sich geringer als alle Menschen, nie gibt der göttliche Geist jemand auf eine Frage Auskunft noch redet er im verborgenen für sich oder wenn ein Mensch will, dass er rede, vielmehr spricht der Heilige Geist nur dann, wenn es Gottes Wille ist, dass er rede. 9. Wenn also ein [S. 222] Mensch, der im Besitze des göttlichen Geistes ist, in eine Versammlung gerechter Männer kommt, die den Glauben an den göttlichen Geist haben, und wenn von diesen versammelten Männern das Gebet an Gott verrichtet wird, dann erfüllt der Engel des prophetischen Geistes den Menschen, bei dem er wohnt, und vom Heiligen Geist erfüllt, redet der Mensch zu der Menge, so wie der Herr es wünscht. 10. Auf diese Weise also wird der göttliche Geist offenbar werden. Daran (siehst du), wie groß die Macht des Herrn sich zeigt im göttlichen Geiste.“ 11. „Jetzt sollst du auch etwas hören über den irdischen, hohlen, ohnmächtigen Geist, der töricht ist 12. Vor allem brüstet sich ein solcher, der sich im Besitze des Geistes wähnt, er will den ersten Platz einnehmen, ist gleich keck, frech, geschwätzig, in vielen Genüssen und vielen anderen Täuschungen bewandert und lässt sich für seine Prophetie bezahlen; wenn er kein Geld bekommt, prophezeit er nicht. Kann nun ein göttlicher Geist Lohn nehmen und dafür prophezeien? Das geht nicht an bei einem Propheten Gottes, vielmehr ist der Geist solcher Propheten von der Erde. 13. Sodann kommt er gar nicht in die Versammlung gerechter Männer, sondern geht ihnen aus dem Wege; dafür verkehrt er mit den Zweiflern und hohlen Menschen, prophezeit ihnen in Winkeln und betrügt sie, indem er lauter eitles Zeug schwatzt nach ihrem Begehren; leeren Menschen gilt seine Antwort; wenn man nämlich ein leeres Gefäß mit anderen leeren zusammenstößt, dann zerspringt es nicht, sondern sie tönen miteinander zusammen. 14. Wenn er aber in eine Versammlung von lauter gerechten Männern, die den göttlichen Geist haben, kommt und wenn von diesen gebetet wird, dann steht jener Mensch leer da: der irdische Geist flieht von ihm aus Furcht, und so wird er stumm und ganz bestürzt, so dass er nichts mehr reden kann. 15. Wenn du in einer Vorratskammer Wein oder Öl aufbewahrst und darunter ein leeres Gefäß gestellt hast, so wirst du beim Räumen der Kammer jenes Gefäß, das du leer hingestellt hast, noch leer finden; so wird man auch die leeren Propheten, wenn sie zu den Geistern von Gerechten kommen, in dem Zustand [S. 223] finden, in dem sie gekommen sind. 16. Damit hast du das Leben der beiden Prophetenarten; beurteile also nach den Werken und nach dem Leben einen Menschen, der sich als Träger des Geistes ausgibt. 17. Glaube aber nur dem Geiste, der von Gott kommt und Macht besitzt; dem irdischen und leeren Geiste aber glaube nicht, weil keine Macht in ihm ist; denn er kommt vom Teufel. 18. Höre das Gleichnis, das ich dir sagen will: nimm einen Stein, wirf ihn gen Himmel und siehe zu, ob du ihn (den Himmel) erreichen kannst; oder nimm eine Wasserspritze, spritze zum Himmel und siehe zu, ob du den Himmel damit durchbohren kannst.“ 19. „Wie ist denn dies möglich, o Herr? beidemal redest du von Unmöglichem.“ „Wie nun diese Dinge“, fuhr er fort, „unmöglich sind, so sind auch die irdischen Geister ohne Macht und ohne Kraft. 20. Halte dagegen die Macht, die von oben kommt. Ein Hagelkorn ist ein ganz kleines Kügelchen, aber welchen Schmerz verursacht es, wenn es einem Menschen auf den Kopf fällt! oder nimm den Wassertropfen, der von dem Ziegel zur Erde fällt und den Stein aushöhlt! 21. Du siehst also, dass ganz geringfügige Dinge, die von oben auf die Erde fallen, eine große Gewalt haben, so ist auch der göttliche Geist, der von oben kommt, voll Macht. Diesem Geiste also glaube, von dem anderen halte dich fern.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger