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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XV. Kapitel

92.

1. Jener von den Griechen vorgebrachte Vorwand ist also hinfällig. Denn wer will, wird die Wahrheit auch [S. 96] finden können; wer aber unvernünftige Gründe dagegen vorschützt, der hat keine Entschuldigung, wenn er verurteilt wird.1

2. Denn stellen sie in Abrede oder geben sie zu, daß es einen Beweis gibt?2 Ich meine, alle werden dies zugeben mit Ausnahme derer, die die sinnliche Wahrnehmung leugnen.

3. Wenn es aber einen Beweis gibt, muß man sich auch zu den Untersuchungen bereit finden lassen und durch die Heilige Schrift beweiskräftig lernen, wie die Irrlehren auf falsche Wege geraten sind und wie andererseits allein in der wahren und alten3 Kirche die zuverlässigste Erkenntnis und die wahrhaft beste Richtung zu finden ist.

4. Diejenigen aber, die von der Wahrheit abirren, suchen teils nur sich selbst, teils auch die Nächsten zu täuschen.

5. Die einen also, die sogenannten eingebildeten Weisen, glauben, die Wahrheit gefunden zu haben, ohne irgendeinen wahren Beweis zu besitzen, und täuschen so sich selbst, indem sie zur Ruhe gekommen zu sein glauben. Ihre Zahl ist nicht gering; es sind das Leute, die der Untersuchung ausweichen, weil sie fürchten, widerlegt zu werden, und auch vor der Belehrung fliehen, weil sie durch sie verurteilt würden.

6. Die anderen aber, die alle täuschen, die sich an sie wenden, sind ganz schlechte Leute, die, obwohl sie sich dessen bewußt sind, daß sie nichts verstehen, doch mit Wahrscheinlichkeitsschlüssen die Wahrheit verdunkeln. Es ist aber, meine ich, ein großer Wesensunterschied zwischen den Wahrscheinlichkeitsschlüssen und den wirklichen Beweisen.

7. Wir wissen auch, daß die Bezeichnung "Irrlehren" zur Unterscheidung von der Wahrheit gebraucht werden muß; denn die Sophisten rauben, um die Menschen in die Irre zu führen, Bruchstücke von der Wahrheit und vergraben sie in die künstlichen menschlichen Gedankengebilde, die sie selbst erfunden haben, und rühmen sich dann, Vorsteher zu sein, freilich mehr einer Schulrichtung als einer Kirche.

1: Vgl. Röm 2,1.
2: Vgl. z.B. Sextus Empiricus, Adv. Math. VIII 337 ff.
3: Ich lese mit Mayor (xxx); vgl. z.B. Strom VII 107,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger