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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XIV. Kapitel

88.

1. Denn gegen die Kirche und "gegen seinen eigenen Leib"1 treibt Unzucht, wer in der Kirche ein heidnisches [S. 92] Leben führt, sei es durch die Tat, sei es durch das Wort, sei es auch nur mit dem Denken.

2. Wer sich an diese "Buhlerin hängt",2 nämlich an die Tätigkeit, die im Widerspruch zu dem Testament steht, wird zu einem anderen, nicht heiligen Leib, "zu einem einzigen Fleisch"3 und zu heidnischem Leben und hat etwas anderes zu erwarten.

3. "Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm",4 "ein geistlicher Leib";5 das ist die Art der Vereinigung, die von jener verschieden ist. Ein solcher ist ganz Sohn, ein heiliger Mensch, leidenschaftslos, gnostisch, vollkommen, gestaltet durch die Lehre des Herrn, damit er wirklich im Tun und im Reden und im Geiste selbst dem Herrn ganz nahe komme und so jene Wohnung erlange,6 die dem gebührt, der auf diese Weise ganz zum Mann geworden ist.

4. Dieses Beispiel genügt für die, die Ohren haben.7 Denn das Geheimnis darf man nicht der Öffentlichkeit preisgeben,8 sondern nur so weit andeuten, als für die zur Erinnerung hinreicht, die an der Erkenntnis Anteil erhalten haben; diese werden auch verstehen, in welchem Sinn von dem Herrn gesagt worden ist: "Werdet vollkommen wie euer Vater!",9 indem ihr die Sünden völlig vergebt und Kränkungen nicht nachtragt und euer Leben in dem dauernden Zustand der Leidenschaftslosigkeit führt.

5. Denn wie wir von einem vollkommenen Arzt und von einem vollkommenen Philosophen sprechen, so sprechen wir, meine ich, auch von einem vollkommenen Gnostiker. Aber keine von diesen Arten des Vollkommenseins, mögen sie auch die höchste Stufe erreichen, kann mit der Vollkommenheit Gottes verglichen werden. Denn wir haben nicht die gottlose Ansicht der Stoiker, die behaupten, daß Mensch und Gott die gleiche Tugend haben.10

6. Ist also vielleicht der Sinn der, daß wir vollkommen werden sollen, wie der Vater es will? Denn es ist unmöglich und undenkbar, daß jemand so vollkommen wird, wie es Gott ist; der Vater will aber, daß wir im Gehorsam gegen das Evangelium leben und so in untadeliger Weise vollkommen werden.

7. Wenn wir also, da der Satz unvollständig ist, um den Sinn der Stelle zu vervollständigen, das [S. 93] fehlende Wort ("will") einsetzen, das hinzuzudenken denen überlassen ist, die den Sinn verstehen können, dann werden wir sowohl den Willen Gottes erkennen als auch so, wie es dem Gebote entspricht, fromm und zugleich hochgesinnt wandeln.

1: Vgl. ebd. 6,18.
2: Vgl. 1Kor 6,16.
3: Vgl. ebd. (Gen 2,24).
4: Vgl. ebd. 6,17.
5: Vgl. ebd. 15,44.
6: Vgl. Joh 14,2.
7: Vgl. Mt 11,15.
8: Vgl. Prtotr. 12,1.
9: Mt 5,48.
10: Chrysippos Fr. mor. 250 v. Arnim; vgl. Strom. II 135,3; VI 114,5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger