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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XIV. Kapitel

86.

1. Denn wir wissen noch nicht, ob nicht etwa auch der, der jetzt feindlich gegen uns gesinnt ist, später zum Glauben kommen wird. Daraus folgt deutlich, daß wenn auch nicht alle bereits unsere Brüder sind, sie uns doch als solche gelten müssen.

2. Ferner ist nur der Verständige Träger der Erkenntnis, daß alle Menschen das Werk eines einzigen Gottes sind und das gleiche Bild1 dem gleichen Stoff eingeprägt an sich tragen, wenn auch das Bild bei den einen mehr, bei den anderen weniger getrübt ist, und deswegen verehrt er durch die Geschöpfe die Schöpfertätigkeit Gottes und durch sie wieder seinen Willen.

3. "Oder wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Königreich Gottes nicht erben werden?"2 Unrecht aber tut, wer Böses mit Bösem vergilt, sei es nun mit einer Tat oder auch mit einem Wort oder auch nur mit dem gedachten Wunsch, etwas vergelten zu können. Dies letztere verbietet das Evangelium denen, die durch die Schule des Gesetzes gegangen sind.3

4. "Und solcher Art waren einige von euch", offenbar solcher Art, wie diejenigen, denen ihr selbst nicht verzeihen wollt, jetzt noch sind.

5. "Aber ihr habt euch rein gewaschen",4 nicht einfach so wie die übrigen, sondern ihr habt die Leidenschaften der Seele mit Erkenntnis von euch abgewaschen, so daß ihr, soweit es möglich ist, durch eure Bereitwilligkeit, Böses zu ertragen und Kränkungen zu vergessen, der Güte der göttlichen Vorsehung ähnlich5 wurdet, indem ihr in Worten und Taten eure [S. 91] Freundlichkeit "über Gerechte und Ungerechte"6 wie die Sonne leuchten lasset.

6. Zu dieser Haltung wird der Gnostiker entweder durch seine eigene Hochherzigkeit oder durch die Nachahmung des besseren Wesens gelangen; ein dritter Antrieb dazu liegt in dem Wort: "Vergib, und es wird dir vergeben werden",7 da dieses Gebot durch das Übermaß der Güte gleichsam mit Gewalt zur Ergreifung des Heils zwingt.

7. "Aber ihr seid geheiligt."8 Denn wer zu einem solchen Verhalten gelangt ist, der muß notwendig heilig sein, so daß er in keiner Weise in irgendeine Leidenschaft verfällt, sondern gewissermaßen bereits frei von den Fesseln des Fleisches und bereits über diese Erde erhaben ist.

1: Vgl. Gen 1,26.
2: 1Kor 6,9.
3: Vgl. Gal 3,24; Mt 5,22.28.
4: 1Kor 6,11.
5: Vgl. Platon, Theaitetos p. 176 B.
6: Vgl. Mt 5,45.
7: Vgl.ebd. 6,14.
8: 1Kor 6,11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger