Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XIV. Kapitel

85.

1. Es ist also gut, wenn sie infolge der zum Glauben führenden Sinnesänderung eine andere bessere Gesinnung annehmen. Denn wenn auch die Wahrheit diejenigen zu Feinden zu haben scheint, die sie zur Eifersucht reizen wollen,1 so ist sie doch selbst gegen niemand feindselig gesinnt.

2. Denn wie "Gott seine Sonne über Gerechte und Ungerechte leuchten läßt",2 und den Herrn selbst zu Gerechten und Ungerechten gesandt hat, so ist es auch bei dem, der sich mit aller Macht bemüht, Gott ähnlich zu werden. Infolge seiner großen Versöhnlichkeit vergibt er "siebenzigmal siebenmal"3 (das bedeutet während seines ganzen Lebens und während des ganzen Kreislaufes der Welt, auf den durch die Zählung von Siebenheiten hingewiesen ist) und er ist freundlich gegen jedermann, auch wenn jemand diese ganze Zeit, die er im Fleische lebt, hindurch dem Gnostiker Unrecht tut.

3. Denn der Apostel verlangt nicht nur, daß der sittlich Vollkommene das Urteil über die, die ihm Unrecht zugefügt haben, anderen überlasse, sondern will auch, daß der Gerechte von eben jenen Richtern für die, die sich gegen ihn verfehlt haben, Vergebung ihrer Sünden erbitte, und zwar mit Recht; denn jene, die ein Leid zuzufügen versuchen, können nur das Äußerliche und den Körper schädigen, mag es auch bis zum Tod kommen, und von all dem gehört nichts zu dem [S. 90] eigentlichen Wesen des Gnostikers.

4. Und wie könnte jemand Richter über die abgefallenen Engel sein,4 wenn er selbst von dem Gebot des Evangeliums, daß man erlittenes Unrecht vergessen müsse, abtrünnig geworden wäre?

5. "Warum laßt ihr euch nicht lieber Unrecht zufügen?" sagt der Apostel. "Warum laßt ihr euch nicht lieber berauben? Aber statt dessen fügt ihr selbst Unrecht zu", indem ihr nämlich gegen die betet, die aus Unwissenheit fehlen, "und beraubt", nämlich der Freundlichkeit und der Güte Gottes, so viel es auf euch ankommt, diejenigen, gegen die ihr betet, "und zwar, obwohl sie eure Brüder sind",5 womit er nicht nur die Brüder im Glauben, sondern auch die unter ihnen als Fremdlinge (Proselyten) Lebenden meint.

1: Vgl. Dt 32,21; 1Kor 10,22 (wie hier ist auch die Clemensstelle zu erklären: zur Eifersucht reizen, indem man untreu wird).
2: Mt 5,45.
3: Ebd. 18,22.
4: 1Kor 6,3.
5: Ebd. 6,7 f.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
Fünftes Buch
Sechstes Buch
Siebtes Buch
. Mehr
. VI. Kapitel
. VII. Kapitel
. VIII. Kapitel
. IX. Kapitel
. X. Kapitel
. XI. Kapitel
. XII. Kapitel
. XIII. Kapitel
. XIV. Kapitel
. . 84.
. . 85.
. . 86.
. . 87.
. . 88.
. XV. Kapitel
. XVI. Kapitel
. XVII. Kapitel
. XVIII. Kapitel

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger