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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XII. Kapitel

77.

1. Und tatsächlich sind sie Brüder entsprechend der auserlesenen Schöpfung und der Gleichheit der Gesinnung und der Wesensart ihrer Taten, da sich ihr Tun und Denken und Reden auf die nämlichen heiligen und schönen Handlungen richtet, an die sie als Auserwählte nach dem Willen des Herrn denken müssen.

2. Denn ihr Glaube zeigt sich darin, daß sie das nämliche wählen, ihre Erkenntnis darin, daß sie das nämliche gelernt haben und in ihren Gedanken tragen, ihre Hoffnung darin, daß sie das nämliche ersehnen. Und wenn der Gnostiker infolge der dringenden Bedürfnisse des Lebens einen kleinen Teil seiner Zeit auf die Beschaffung der Nahrung verwenden muß, so glaubt er dadurch, daß er durch eine solche Beschäftigung in Anspruch genommen wird, um seine Zeit betrogen zu werden.

3. Darum sieht er nicht einmal einen Traum, der sich für einen Auserwählten nicht ziemte. Denn tatsächlich "ein Fremdling und ein Gast"1 ist in seinem ganzen Leben ein jeder, der eine Stadt bewohnt, aber alles in ihr, was von anderen [S. 81] bewundert wird, verachtet und in der Stadt wohnt, als wäre es eine Wüste, damit nicht der Ort Gewalt über ihn habe, sondern sein eigener freier Entschluß ihn als gerecht erweise.

4. Kurz, dieser Gnostiker tritt an die Stelle der dahingeschiedenen Apostel, indem er richtig lebt, genau erkennt, die Geeigneten unterstützt, die auf den Nächsten lastenden "Berge versetzt"2 und die Unebenheiten3 ihrer Seelen ausgleicht.

5. Freilich ist jeder einzelne von uns sein eigener Weinberg und sein eigener Arbeiter. Er aber will, auch wenn er das Beste tut, vor den Menschen verborgen bleiben, wobei er den Herrn und zugleich sich selbst davon überzeugen will, daß er nach den Geboten lebt, und das vorzieht, was nach seinem Glauben der Ursprung seines Seins ist.

6. "Denn wo das Herz jemands ist", so heißt es, "da ist auch sein Schatz";4 darum benachteiligt er wegen seiner Vollkommenheit in der Liebe sich selbst, wenn es gilt, einen in Bedrängnis geratenen Bruder nicht ohne Hilfe zu lassen, besonders wenn er weiß, daß er selbst den Mangel leichter als der Bruder ertragen wird.

1: Vgl. Hebr 11,13; Ps 38,13; Gen 23,4; 47,9.
2: Vgl. 1Kor 13,2 (Mt 17,20; 21,21); Strom. V 2,6.
3: Vgl. Jes 40,4.
4: Vgl. Mt 6,21; Lk 12,34; zur Form vgl. Quis div. salv. 17,1 mit Anm.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger