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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XII. Kapitel

74.

1. Die Begierden und die übrigen Sünden sind aber "Disteln und Pfähle",1 genannt. Darum arbeitet der Gnostiker in dem Weinberg des Herrn;2 er pflanzt, beschneidet, begießt3 und ist in der Tat der göttliche Gärtner für die, die in den Glauben eingepflanzt sind.

2. Während nun die einen, die das Böse unterlassen haben, einen Lohn dafür zu erhalten erwarten, daß sie nichts getan haben,4 fordert derjenige, der allein aus freiem Entschluß Gutes getan hat, mit Recht den Lohn als ein guter Arbeiter.5 Und gewiß wird er auch doppelten Lohn erhalten, den Lohn für das, was er unterlassen, und den Lohn für das Gute, das er getan hat.

3. Dieser Gnostiker erleidet von niemand eine Anfechtung,6 außer wenn Gott es zuläßt, und auch dies nur, um damit seiner Umgebung zu nützen. Denn sie wird jedenfalls zum Glauben ermutigt, wenn sie durch sein mannhaftes Aushalten gemahnt wird.

4. Sicherlich wurden auch deswegen die seligen Apostel zur Stärkung und Befestigung ihrer Gemeinden in Lagen geführt, wo sich ihre Vollkommenheit bewähren und bezeugen konnte.

5. Da also der Gnostiker in seinen Ohren immer die Stimme klingen hört, die sagt: "Erbarme dich dessen, den ich schlagen werde",7 betet er auch für die um Sinnesänderung, die ihn hassen.

6. Denn der in den Rennbahnen stattfindende Vollzug der Bestrafung der Übeltäter ist auch für Kinder kein geeigneter Anblick. Und es ist ganz undenkbar, daß der Gnostiker durch etwas Derartiges belehrt würde oder seine Freude daran hätte, da er sich ja auf Grund freier Entscheidung darin geübt hat, wacker und gut zu sein, und es so erreicht hat, daß Lüste keinen Reiz auf ihn ausüben können. Da er nie in Sünden verfällt, hat er es nicht nötig, durch die Beispiele von Unglück, das andere trifft, erzogen zu werden.

7. Jedenfalls ist nicht daran zu denken, daß an irdischen Freuden und Schaustücken der Gefallen finden könnte, der auch die irdischen Verheißungen, selbst wenn sie göttlich sind, verachtet hat.

[S. 79] 8. "Nicht jeder also, der 'Herr, Herr' sagt, wird in das Gottesreich kommen, sondern wer den Willen Gottes tut."8

9. Dies dürfte aber der gnostische Arbeiter sein, der, während er noch im Fleische selbst ist, über "die weltlichen Lüste"9 Herr wird, hinsichtlich dessen aber, was er erkannt hat, nämlich des Zukünftigen und Unsichtbaren, so fest überzeugt ist, daß er es mehr als das ihm vor den Füßen Liegende für gegenwärtig hält,

1: Vgl. Gen 3,18; Jer 4,3; Ez 28,24; Mt 13,7.22; Hebr 6,8.
2: Vgl. Jes 5,7; Mt 21,33.
3: Vgl. Strom. I 43,2.
4: Vgl. vielleicht Mt 25,25.
5: Vgl. Lk 10,7.
6: Vgl. Strom. VII 45,2; 76,2.
7: Vgl. vielleicht Hi 19,21; Ps 68,27.
8: Mt 7,21.
9: Vgl. Tit 2,12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger