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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XII. Kapitel

72.

1. Nun ist nur ein einziger von Anfang an ohne Begierden, nämlich der Herr, der Freund der Menschen, der auch uns zuliebe Mensch geworden ist. Aber alle, die sich bemühen, dem von ihm gegebenen Gepräge ähnlich zu werden, strengen sich mit aller Kraft an, durch Übung frei von Begierden zu werden.

2. Denn wer eine Begierde gefühlt, aber sich beherrscht hat, der wird frei von Begierden,1 so wie eine Witwe durch ihre Keuschheit wieder zur Jungfrau wird.2

3. Dies ist der dem Heiland und Lehrer für die Erkenntnis abzustattende Lohn, der Lohn, den dieser selbst verlangte, nämlich die Enthaltung von allem Bösen und die Vollführung guter Taten,3 wodurch die Rettung erlangt wird.4

4. Wie nun diejenigen, die ein Handwerk erlernt haben, sich durch die gewonnenen Fertigkeiten ihren Lebensunterhalt erwerben, so erwirbt sich der Gnostiker durch seine Einsicht das (geistige) Leben und wird so gerettet. Denn wer sich nicht dazu entschließen kann, die Leidenschaften seiner Seele auszurotten, der tötet sich selbst. Aber Unwissenheit ist, wie es scheint, etwas, was die Seele abzehren und verkümmern läßt, die Erkenntnis dagegen ist Nahrung für sie.

5.5 Und die gnostischen Seelen sind es, die das Evangelium mit den geheiligten Jungfrauen verglichen hat, die den Herrn erwarten. Denn Jungfrauen sind sie, weil sie sich des Bösen enthalten haben, und sie warten auf den Herrn, weil sie ihn lieben, und sie zünden ihr eigenes Licht an, um die Wirklichkeit schauen zu können; sie sind kluge Seelen, weil sie sagen:

6. "Wir sehnen uns darnach, dich, o Herr, endlich einmal zu empfangen. Wir lebten gehorsam gegen deine Gebote, ohne irgendeines deiner Gebote zu übertreten; deshalb beanspruchen wir von dir auch die Erfüllung deiner [S. 77] Verheißungen; wir beten aber um das, was uns nützlich ist, nicht um das, was uns ergötzt; denn es geziemt sich, daß wir das Beste von dir erbitten. Und wir werden alles als ersprießlich für uns auffassen, auch wenn die uns heimsuchenden Prüfungen schwer zu ertragen scheinen, die deine Heilserziehung über uns verhängt, um uns in der Beständigkeit zu üben."

1: 2Ich übersetze mit der Ergänzung (xxx).
2: Vgl. Strom. III 101,5.
3: Vgl. 1Petr 3,11.
4: Vgl. Strom. I 6,1.
5: Zum folgenden vgl. Mt 25,1-13; Strom. V 17,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger