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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
XII. Kapitel

79.

1. Jedenfalls ist uns gesagt: "Die Furcht des Herrn ist heilig; sie bleibt in alle Ewigkeit."1 Denn wer sich aus Furcht zum Glauben und zur Gerechtigkeit bekehrt, bleibt in Ewigkeit.2 Nun bewirkt die Furcht das Vermeiden böser Taten, die Liebe aber baut auf den freien Entschluß auf und treibt dazu an, Gutes zu tun, damit man vom Herrn das Wort höre: "Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde",3 und daß man fortan sich voll Zuversicht dem Beten zuwende.

2. Die Form des Gebetes selbst ist aber Danksagung für das Vergangene und für das Gegenwärtige und für das Zukünftige, da dies des Glaubens wegen bereits gegenwärtig ist. Dem geht aber das Erfassen der Erkenntnis vorher.

[S. 83] 3. Und so bittet er denn darum, daß er die ihm bestimmte Zeit im Fleische leben möge als Gnostiker, als frei von der Knechtschaft des Fleisches, und daß er das Beste erlangen, dem Bösen aber entrinnen möge.

4. Er bittet aber auch um Vergebung unserer Sünden und um unsere Bekehrung zur Erkenntnis. Wenn der Herr ihn am Ende abberuft, so folgt er rasch, sobald jener ruft; ja er geht wegen seines guten Gewissens sozusagen schon voraus und eilt, um das Opfer seines Dankes darzubringen; und wenn er zur Gemeinschaft mit Christus gekommen ist und sich selbst wegen seiner Reinheit als würdig erwiesen hat, besitzt er4 dort die durch Christus geschenkte Macht Gottes durch Vereinigung mit ihr.

5. Denn er will nicht durch Anteilnahme an Wärme warm oder an Feuer leuchtend, sondern selbst ganz Licht sein. Dieser versteht genau das Wort: "Wenn ihr nicht Vater und Mutter haßt und dazu auch euer eigenes Leben und wenn ihr nicht das Kreuzeszeichen5 tragt."

6. Denn er haßt die fleischlichen Neigungen, die eine mächtige Verlockung zur Lust in sich schließen, und achtet alles gering, was zum Aufbau und zur Ernährung des Fleisches gehört, aber er leistet auch der körperlichen Seele6 Widerstand, indem er dem unvernünftigen Geist, der die Zügel von sich abwerfen will, das Gebiß anlegt; denn "dem Fleisch gelüstet es wider den Geist".7 7. "Das Kreuzeszeichen tragen"8 bedeutet aber "den Tod mit sich herumtragen",9 indem man noch im Leben "allem abgesagt hat"10 da ein Unterschied ist zwischen der Liebe zu dem, der das Fleisch erzeugte, und der Liebe zu dem, der die Seele zur Erkenntnis geschaffen hat.

1: Ps 18,10.
2: Die gleiche Erklärung des Psalmwortes steht Ecl. proph. 60,1.
3: Joh 15,15.
4: Ich lese mit Wilamowitz (xxx).
5: Statt (xxx) des Bibelwortes (Lk 14,26 f.) steht hier (xxx); vgl. dazu Quis div. salv. 8,2 mit Anm.
6: Vgl. Strom. VI 136,1 f.; Exc. ex Theod. 50,1.
7: Gal 5,17.
8: Lk 14,27.
9: Vgl. 2Kor 4,10.
10: Vgl. Lk 14,33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger