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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch

X. Kapitel

55.

1. Denn die Erkenntnis ist sozusagen eine Art Vervollkommnung des Menschen als Menschen, da diese durch das Wissen von den göttlichen Dingen hinsichtlich der Gesinnung und der Lebensführung und der Rede zur Vollendung kommt und im Einklang und in der Übereinstimmung mit sich selbst und dem Worte Gottes ist.1

2. Denn durch die Erkenntnis kommt der Glaube zu seiner Vollendung,2 da der Gläubige allein auf diese Weise vollkommen wird. Der Glaube ist nun ein in der Seele lebendes Gut; ohne nach Gott zu forschen, bekennt er, daß Gott ist, und preist ihn als seiend.

3. Deshalb ist es nötig, von diesem Glauben auszugehen und durch die Gnade Gottes in ihm zu wachsen und dann, soweit es möglich ist, die Erkenntnis von Gott zu gewinnen.

4. Nach unserer Ansicht ist aber ein Unterschied zwischen der Erkenntnis und der durch Unterricht vermittelten Weisheit. Denn insofern etwas Erkenntnis ist, insofern ist es durchaus auch Weisheit; insofern aber etwas Weisheit ist, so ist [S. 61] es noch nicht auch durchaus Erkenntnis.3 Denn nur in der Anwendung des gesprochenen Wortes kommt der Begriff Weisheit zum Vorschein.

5. Andererseits besteht die Grundlage der Erkenntnis darin, daß man an Gott nicht zweifelt, sondern an ihn glaubt; Christus aber ist beides, die Grundlage und der darauf errichtete Bau,4 da durch ihn sowohl der Anfang als auch das Ende ist.

6. Und das, was die beiden äußersten Grenzen bildet, der Anfang und das Ende, womit ich den Glauben und die Liebe meine,5 kann nicht gelehrt werden; aber die Erkenntnis wird durch die Gnade Gottes auf Grund der Überlieferung weitergegeben und denen, die sich der Lehre würdig erweisen, wie ein Unterpfand anvertraut; von ihr aus erstrahlt die hohe Würde der Liebe in immer hellerem Licht.

7. Denn es ist gesagt: "Dem, der hat, wird noch dazu gegeben werden",6 dem Glauben die Erkenntnis, der Erkenntnis die Liebe, der Liebe aber das himmlische Erbe.

1: Vgl. Strom. IV 73,2 mit Anm.; VII 64,7.
2: Vgl. Jak 2,22, wo statt der Erkenntnis die guten Werke stehen.
3: Vgl. Strom. II 24,2.
4: Vgl. Eph 2,20.
5: Vgl. Ignatius, Brief an die Epheser 14.
6: Vgl. Strom. I 158,2 mit Anm.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger