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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1
Traktat XIV. Von der Auferstehung.

6.

Wenn nun aber dem so ist, warum, mein Christ, glaubst du nicht an die zukünftige Auferstehung? Warum betrauerst du so beharrlich diejenigen, die aus dem Verderben dieser Welt in eine bessere hinüberwandern? Es ist doch ein Frevel! Da ist eine Mutter! Mit zerrissenem Kleid, mit zerzaustem Haar, mit zerfleischten Wangen, die ganze Brust blau geschlagen von immer wiederholten Schlägen, rast sie wahnsinnig um die Leiche ihres verlorenen Kindes; sie denkt nicht an die makka-bäische Mutter, die in der grausamen Verfolgung des Antiochus in der festen Hoffnung auf die zukünftigen Dinge ihre sieben Söhne, ich will nicht nur sagen, freudig dahingab, sondern sie vielmehr selbst durch ihre Ermahnungen beglückt dem Tode auslieferte,1 in der religiösen [S. 192] Überzeugung, daß sie ihre Söhne nicht für die Welt, sondern für Gott geboren habe. Dort ist eine Gattin! Sie schwört, die Vereinsamung nach dem Tode des Gatten nicht ertragen zu können, und klagt, daß es in dem so unglücklich erweiterten Ehebett an ihrer Seite kalt geworden sei. Mit herben Worten klagt sie Gott der Härte an. Sie stört selbst die gottesdienstlichen Feierlichkeiten, in denen in herkömmlicher Weise die Entschlafenen Gott empfohlen werden, zuweilen mit Schmerzausbrüchen, wie sie an dieser Stätte nicht am Platze sind. Mit häßlichem Staub2 entstellt sie ihre ganze Kleidung und umschlingt mit ihren Armen die beweinte Leiche. Mit zahlreichen Küssen erwärmt sie die kalten Lippen. Mit Strömen von Tränen wäscht sie die ganze Leiche und deckt sie mit ihren ausgerauften Haaren. Ihr Jammergeschrei bringt auch solche, welche der Fall nicht berührt, zu starkem Weinen. Und je reicher sie ist, desto ausgedehnter ist ihr Schmerz — die Arme, die freilich in ihrem übergroßen Schmerz kurz darauf abermals — und wenn's doch wenigstens nur einmal wäre! — wieder heiratet!3 Wie sich dabei jemand entschuldigen kann, sehe ich nicht Es fehlt doch nicht an Leuten, die da fragen könnten: Wenn es eine Auferstehung gibt, warum weinst du? Und wenn du es aus Liebe zum Gatten tust, warum heiratest du nachher wieder? Es ist eine fluchwürdige Sache, weder dem Ehegatten die Treue, noch Gott den Glauben zu bewahren. Solcher Tadel trifft auch Männer.

1: Vgl. 2 Makk. 7.
2: Nach der Lesart der Ballerini: tetraque illuvie suum totum deformans eultum. (Giuliari: terreaque illuvie ..,)
3: Nach der Lesart der Ballerini: tanto ambitiosior in dolore, quanto ditior, sane post momentum misera (atque utinam semel) nimio dolore nuptura. Giuliari: tanto ambitiosior in dolore, quanto ditior; sane post momentum iterum (atque uti nam semel) nimio dolore nuptura.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger