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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1
Traktat XIV. Von der Auferstehung.

3.

Wir aber, meine Brüder, die nicht eine geistreiche Vermutung, sondern Gott selbst als Lehrer unterrichtet hat, und um derentwillen er zugleich den Beweis an sich [S. 188] selbst erbrachte für das, was er lehrte, wir sind in der Lage, nicht nur zu behaupten, daß die Seelen der Verstorbenen weiterleben, sondern es auch an augenfälligen Tatsachen zu erhärten. Denn die herumschweifenden unreinen Geister 1 beiderlei Geschlechts brechen mit den Mitteln hinterlistiger Schmeichelei oder auch mit Gewalt in das Haus des Körpers der Lebenden ein, suchen darin für sich ein Versteck und bringen sie in unheilvolle Gefangenschaft. Kommt es aber dann zum Schauplatz des göttlichen Kampfes und werden sie mit der Waffe des heiligen Namens angegriffen,2 so lernt man den Angreifer kennen; den andern, um den sich der Kampf dreht, wird man bemitleiden. Der Besessene verliert plötzlich seine Farbe, seine Gestalt wird von Naturkraft in die Höhe geworfen, die Augäpfel des Besinnungslosen verdrehen sich zu schauerlichem Schielen, grauenerregend durch Massen von Schaum knirscht die Reihe der Zähne zwischen den blassen Lippen; der Dämon stöhnt, er weint, er zittert vor dem angekündigten Tag des Gerichts, er jammert, daß er ausgetrieben wird; er offenbart sein Geschlecht, er gesteht die Zeit und den Ort, da er den Angriff gemacht,3 er nennt seinen Namen und die Zeit seines Todes, oder er gibt deutlich durch Zeichen zu erkennen, wer er ist, so daß wir meistens erfahren, daß es sich um Leute handelt, die nach unserm Erinnern in dem Götzendienst verharrt haben und sogar auf gewaltsame Weise aus dem Leben geschieden sind. Und nun antworte mir, der du behauptest, daß nach dem Tode vom Menschen nichts mehr übrig bleibe: Wie sprach dieser Verstorbene, den du gekannt hast, durch einen andern? Du antwortest: Das ist ein Trug der Dämonen. Dann ist der Beweis noch überzeugender, wenn auch Betrüger der Wahrheit Zeugnis geben. Aber warum sollten sie, deren Zeugnis im [S. 189] übrigen wahrheitsgetreu ist, falsche Namen vorgeben, und welchen Grund sollten sie für dieses Vorgehen haben, das Menschen, die sie gerade dem Verderben preisgegeben wissen wollen, zur Furcht Gottes führt, ihnen selbst nicht den geringsten Nutzen bringt? Man könnte nur dann annehmen, daß sie richtig handeln, wenn sie durch die Angabe eines fremden Namens das Besessene behaupten könnten. Aber wenn sie durch die Beschwörung im Namen Gottes auf ihrer geistigen Folter gegen ihren Willen aussagen, wer sie sind und dann gegen ihren Willen ausfahren, so sind sie doch auch zweifellos das, als was sie sich jedem gegenüber bekennen.

1: Vgl. Lactantius inst. Hb. II, c. 14.
2: Die Ausführungen beziehen sich auf den kirchlichen Exorzismus.
3: Vgl. Lactantius instit. lib. V, c. 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger