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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1

Traktat XIII. Die Beschneidung.

Inhaltsangabe

Der Traktat knüpft an eine Lesung aus einem Briefe des Apostels Paulus über die Beschneidung an. Welcher von den davon handelnden Abschnitten (besonders Rom. 2, 25—29; 1 Kor. 7, 18. 19; Gal. 5, 2—6; Kol. 2, 11; 3, 9—11) in Frage kommt, ist nicht zu entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit spricht nach der im Traktat gemachten Unterscheidung zwischen Beschneidung des Fleisches und des Herzens für Rom. 2, 25—29 oder nach dem Schlußsatz für Kol. 2, 11. Nach den von späterer Hand dem ältesten Kodex von Rheims angefügten Marginal-notizen wurde (wohl in der Kathedralkirche in Rheims) der Traktat als neunte Lektion im Chorgebet verwendet.

Äußeren Anlaß für die Predigt bot wohl der Umstand, daß Verona einen starken Prozentsatz jüdischer Bevölkerung aufwies.

Der Traktat will den Nachweis erbringen, daß die fleischliche Beschneidung des Judentums nicht das Heil zu vermitteln vermag; das vermag allein die geistige Beschneidung, wie sie für die Christen in der Taufe gegeben ist.

Die Juden rühmen sich der Beschneidung. Dieselbe stellt eine Narbe dar, die von einer mit einem Eisen beigebrachten kreisförmigen Wunde herrührt. Aber sie steht zurück hinter der Selbstverletzung der Kybelepriester (Kap. 1). Diese Art der Beschneidung ist eine rein fleischliche und steht sogar im Widerspruch mit dem Sabbatgebot (Kap. 2). Daß die Gerechtigkeit nicht an sie gebunden ist, beweist der Umstand, daß schon der Alte Bund zahlreiche Gerechte ohne Beschneidung aufweist: Abel, Noe, Melchisedech u. a. (Kap. 3), Auch bei Abraham begründete nicht die Beschneidung die Gerechtigkeit; er war schon vorher als gerecht erklärt worden. Er stellte in seiner Beschneidung nur das Vorbild für das fleischliche Volk der Juden, in seiner Gerechtigkeit für [S. 156] das Volk der Christen dar (Kap. 4). Die Beschneidung bewirkt nicht das Heil, sondern weist nur auf die Stelle der ersten Sünde (einer Geschlechtssünde) hin und mahnt, auch die anderen Sünden zu fliehen. Ein Heilmittel dagegen bietet sie nicht. Sie kann der Frau nicht zugute kommen, nützt auch dem Manne nichts; denn die Beschneidung muß eine Beschneidung des Herzens sein. Ist der Geist lasterhaft, so können alle Glieder des Menschen sündigen (Kap. 5). Tatsächlich hat Gott auch diese Vorwürfe dem Judenvolk trotz seiner Beschneidung gemacht. So hat denn auch Moses selbst die geistige Beschneidung gefordert (Kap. 6). Auch auf die bei Josue angedeutete zweite Beschneidung mit steinernen Messern kann sich das Judentum nicht berufen (Kap. 7). Denn Josue war ein Vorbild Christi, der durch Messer aus Stein, nämlich Petrus und die andern Apostel und Jünger, die Beschneidung der Herzen von Sünden vornahm (Kap. 8). Wenn Christus selbst sich beschneiden ließ, so tat er's, weil er Sohn Davids sein mußte (Kap. 9). Im Gegensatz zur fleischlichen Beschneidung steht die geistige. Sie erstreckt sich auf Frau und Mann. Wie die Schlange durch das Ohr Evas sich Eingang verschafft hatte, so trat auch Christus durch das Ohr (den gläubigen Gehorsam) in Maria ein und heilte die Wunden der Frau. Adam ward durch den gekreuzigten Mann geheilt. Und wie aus Adams Seite die Eva, so trat aus der Seite dieses Mannes in Blut und Wasser, nämlich Taufe und Martyrium, die geistige Frau, die Kirche hervor (Kap. 10). An dieser geistigen Beschneidung (der Taufe) haben alle, Männer und Frauen, Anteil. Sie wirkt zu allen Zeiten und an allen Orten. Sie ist nicht mehr Vorbild, sondern Erfüllung« Die dadurch erworbene Unversehrtheit soll den Christen nicht mehr verlorengehen (Kap. 11).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger