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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1
Traktat XIII. Die Beschneidung.

6.

In dieser Art rügt die Schrift die Juden. Sie beginnt mit den Ohren: „Ich habe zu ihnen gerufen", sagt sie, „und sie haben nicht gehört. Sie werden rufen zu mir, aber es wird niemand sein, der sie hört."1 Ähnlich spricht sie von den Händen: „Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Missetaten. Eure Lippen haben Sünde geredet, und eure Zunge sinnt auf Ungerechtigkeit."2 Und wiederum von den übrigen Gliedern: „Ein offenes Grab ist ihr Mund, mit ihrer Zunge handeln sie trügerisch, Natterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll von Fluch und Bitterkeit, ihre Füße sind schnell zum Vergießen von Blut; Verderben und Unglück ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens erkennen sie nicht; die Furcht Gottes ist nicht vor ihren Augen."3 Und von der Beschneidung selbst spricht sie in Gleichnissen: „Sie fragten und mit Stäben gaben sie Offenbarungen; vom Geiste der Hurerei waren sie verführt, und sie trieben Unzucht vor ihrem Gott."4 So erkenne denn, Jude, wenigstens in später Stunde, in welch unheilvolle und beklagenswerte Lage dich dein Irrtum bringt, und sag' uns, ob du die Beschneidung beobachtest oder das Gesetz. Wenn du die Beschneidung beobachtest, so ist dir das Gesetz nicht notwendig; denn Abraham, der Gerechte, der aus dem Glauben lebte,5 [S. 162] hat den Besitz Gottes durch seinen Glauben, nicht durch das Gesetz schon vorher verdient. Wenn du das Gesetz beobachtest, so verachte die Beschneidung, wie du sie hast; denn sie ist durch das Gesetz als bedeutungslos erklärt, wie Jeremias sagt: „So spricht der Herr zu den Männern Judas und allen, die in Jerusalem wohnen: Bestellet unter euch ein neues Feld und säet nicht unter die Dornen! Beschneidet die Vorhaut eures Herzens, damit nicht wie ein Feuer ausgehe mein Zorn und alles versenge und niemand da sei, der es lösche.“6 Ihr sehet also, Brüder, daß Gott denjenigen, die auf diese Weise beschnitten sind, nicht nur nicht das Heil verheißt, sondern ihnen sogar mit der Strafe des unauslöschlichen Feuers droht, wenn sie nicht dem Gesetze gemäß das Herz beschneiden. Ja, auch Moses selbst, als dessen Schüler sie sich oftmals mit Stolz bezeichnen, wendet sich in gleichem Sinn an Israel mit den Worten: „In den letzten Tagen wird Gott dein Herz beschneiden und das Herz deiner Nachkommenschaft, damit du liebest Gott deinen Herrn."7

1: Die Stelle findet sich in den späteren Übersetzungen nicht wörtlich; vgl. aber 2 Sam. 22, 42; Is. 66, 4.
2: Is. 59, 3.
3: Ps. 13, 3.
4: Osee 4. 12. Der Text: Interrogabant et in virgis suis annuntiabant weicht von dem Vulgatatext wesentlich ab: Populus meus in ligno suo interrogavit, et baculus eius annuntiavit ei. Zur Erklärung der Stelle bemerkt Hier, comment. in Osee 1,4, daß die Griechen diese Art der Weissagung σαβδομανταεια nannten.
5: Vgl Rom. 1, 17; Hab. 2, 4.
6: Jer 4, 3. 4; vgl. Osee 10, 12.
7: Deut. 30, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger