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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1
Traktat XIII. Die Beschneidung.

5.

Dazu kommt noch anderes. Die Beschneidung verheißt nicht so fast das Heil: Sie weist vielmehr auf die Stelle und die Veranlassung der Sündenschuld hin. Dadurch, daß Adam mit diesem Glied die verbotene Frucht pflückte,1 brachte er das Gesetz des Todes für das Menschengeschlecht zur Einführung. Ganz notwendigerweise gab Gott dem wollüstigen Volke dieses Zeichen: indem es die Stelle der von der Stammutter ererbten Schuld (durch die Beschneidung) kennzeichnet, solle es erkennen, daß auch die anderen Sünden zu fliehen sind. Da sagt der Jude: Christ, du hast dich mit deinem eigenen Worte geschlagen. Gerade deshalb behaupte ich ja, das ewige Leben zu besitzen, weil ich weiß, daß mir (in der Beschneidung) in besonderem Sinn ein Heilmittel gegen den Tod von Gott verliehen worden ist. Brüder, der Jude hätte Recht, wenn dieses Heilmittel beiden Geschlechtern hätte zugute kommen können. Da aber die größere Schuld (Evas) zurückbleibt, so muß er sich verloren geben, wenn er nicht die Wahrheit sucht. Denn wenn er auch Adam heilen kann, so kann er doch mit diesem seinem Heilmittel nicht Eva heilen, bei der sicher die Hauptschuld liegt.2Und was dann, wenn ich klar sehe, daß sie auch dem Mann nichts nützt? Denn die kreisförmige Auftragung dieses Zeichens hängt doch von der Macht des Herzens ab; ist das Herz nicht durch das Sakrament der wahren Beschneidung gereinigt, so wird der Mensch, um den es sich handelt, für ewig verlorengehen. Denn das Fleisch kann zwar eine Schädigung auf sich nehmen, aber es kann nicht dem Geiste gebieten; [S. 161] vielmehr zwingt der Geist mit königlicher Herrschermacht den Leib, der ihm Untertan ist, in Knechtesdiensten die Wünsche seines Willens zu erfüllen; ist er lasterhaft, so kann jeder soviel Verbrechen begehen, als er Glieder hat.

1: Zu der Auffassung, daß die erste Sünde Geschlechtssünde sei, vgl. die Einleitung S. 38 f.
2: Nach der Lesart der Ballerini, die sich auf die älteste Rheimser Handschrift gründet: si enim Adam curat, certe in qua delicti omnis est summa, isto remedio curare non potest Evam. Sie entspricht mehr dem Sinn als die von Giuliari im Anschluß an spätere Handschriften und frühere Ausgaben gewählte: si enim Adam curat (certe in quo delicti omnis est summa) etc.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger