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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1
Traktat XIII. Die Beschneidung.

11.

Und mit diesem Sakrament,1 Brüder, werden wir, Männer sowohl wie Frauen, beschnitten; durch dieses Zeichen, das nicht nur ein bildliches, sondern ein wirkliches Zeichen des Heiligen Geistes ist, werden wir auf- [S. 166] genommen,2 Durch diese Beschneidung verlieren wir nichts, sondern wir finden, daß wir gewinnen an himmlischem Wachstum. Wir geben nicht in inhaltloser Feierlichkeit Blut ab, sondern wir behalten das Blut der Keuschheit, das wir dann oftmals in edlem Wettstreit vergießen, wenn wir in der Verfolgungszeit für den Herrn sterben und dadurch den Teufel vernichten, Wir schneiden schließlich das von uns ab, was wir nicht hätten haben sollen, was wir als etwas empfingen, das der böse Feind den Menschen zugebracht, wie der Herr sagt: „Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinem Acker säte; aber als die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen“3 Das reißen wir notwendigerweise durch die Beschneidung mit der Wurzel aus, damit wir, gereinigt von ansteckender Berührung mit verderblichem Samen, rein bleiben in der Fülle des Samens des Vaters, Diese Beschneidung wird nicht bei Tag, nicht bei Nacht, nicht durch eine Zeit, nicht durch das Geschlecht, nicht durch eine Stellung, nicht durch einen Ort, nicht durch eine Abstammung abgehalten, den Menschen das Heil zu vermitteln, sondern sie findet sich allezeit bei allen in Herrlichkeit, Die erste Beschneidung schneidet das Fleisch, die zweite die Mängel der Seele, Die erste schneidet mittels des Eisens, die zweite durch den Geist, Die erste schneidet nur einen Teil, die zweite den ganzen Menschen, Die erste schneidet nur den Mann, die zweite beide Geschlechter, Die erste schneidet nur die Vorhaut eines kleinen Stückchens Haut, die zweite die Vorhaut der ganzen weltlichen Begierlichkeit aus. Die erste ist sklavisch an den achten Tag gebunden, der zweiten dienen alle Jahreszeiten, Tage, Stunden, Augenblicke. Die erste bringt vor dem achten Tag oder nach dem achten Tag nicht einmal einem sterbenden Kinde Hilfe, die zweite spendet ihre Heilsgabe von der Wiege der Kind- [S. 167] heit angefangen bis zu dem letzten Atemzug jedem Geschlecht in jedem Alter. Die erste freut sich am Blute, die zweite an der Gnade; die erste am Bilde, die zweite an der Wirklichkeit; die erste an einem Verluste, die zweite an einem Gewinne. Die erste lebt als Gefangene unter dem Gesetz, die zweite spendet allen die Freiheit des guten Glaubens in Christus.

So bemühet denn ihr, die ihr „beschnitten seid mit der Beschneidung, die nicht mit der Hand vollzogen ward zur Beraubung des Fleisches, sondern mit der Beschneidung unseres Herrn Jesus Christus",4 bemüht ihr euch, daß eure Unversehrtheit nicht verstümmelt wird! Bemühet euch, daß nicht wie die geistige Vorhaut der hereinbrechenden Sünden von Adam und Eva, so auch unseligerweise sich deren Nacktheit wiederhole und zur Verurteilung komme! Bemühet euch, daß nicht der neue Mensch etwas vom Juden oder Heiden an sich zu haben scheine! Denn diese beiden sind fleischlich, und beide sind ohne Frucht. Es kann kein Zweifel sein: Es ist weder die Vorhaut etwas, noch die Beschneidung; 5 für diejenigen, die gläubig leben, ist allein notwendig die Beobachtung des Willens Gottes.

1: Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf das Sakrament der Taufe.
2: Hoc Spiritus sancti non signaculo, sed signo censemur.
3: Matth. 13,24. 25.
4: Kol. 2, 11.
5: Vgl. Gal. 5, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger