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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
IX. Kapitel

53.

1. Daher bringt er alles, was er im Sinn hat, auch mit seiner Zunge zu denen, die auf Grund ihrer Übereinstimmung mit ihm würdig sind, es zu hören, da seine Worte ebenso wie sein Leben Ausdruck seiner wirklichen Überzeugung sind.

2. Denn er denkt Wahres und spricht zugleich auch wahr; es müßte denn sein, daß er einmal zum Zweck heilsamer Beeinflussung, so wie es ein Arzt den Kranken gegenüber tut mit der Absicht, den Leidenden zu helfen, lügen,1 oder, nach dem Ausdruck der Sophisten, etwas Unwahres sagen wird.2

3. So beschnitt der edle Apostel den Timotheus,3 obwohl er es [S. 59] laut aussprach und in seinen Schriften verkündete, daß die mit Händen gemachte Beschneidung nichts nütze.4 Wenn er aber mit einem Schlage von dem Gesetz zu der Beschneidung des Herzens,5 die durch den Glauben erfolgt, hätte herüberziehen wollen, so war die Gefahr vorhanden, daß er dadurch seine in ihrer Haltung noch unsicheren Zuhörer aus der Zahl der Hebräer mit Gewalt dazu veranlassen könnte, die Beziehungen zu der (christlichen) Gemeinde abzubrechen. Um dies zu vermeiden, paßte er sich den Juden an und wurde für sie "ein Jude, um alle zu gewinnen".6

4. Wer also wegen des Heils derer, um derentwillen er nachgiebig ist, sich einfach zur Nachsicht herabläßt, ohne daß er wegen der Gefahr, die den Gerechten von den Eiferern droht7 sich irgendwie der Heuchelei schuldig machte, der unterliegt keineswegs einem Zwang. Vielmehr wird er nur manches zum Nutzen seiner Nächsten tun, was er nie um der Sache selbst willen täte, wenn er es nicht um jener willen tun müßte.

5. Dieser gibt sich willig für die Kirche und für seine Schüler hin, die er selbst im Glauben "erzeugt hat",8 als ein Vorbild für diejenigen, die fähig sind, Nachfolger in dem erhabenen Berufe des von Liebe zu den Menschen und von Liebe zu Gott erfüllten Erziehers zu werden, zu einem Beweis für die Wahrheit seiner Worte und zu einer Bekundung seiner Liebe zu dem Herrn durch die Tat.

6. Er bleibt ungeknechtet in Schrecknis, er ist wahrhaftig in seiner Rede, ausdauernd in mühevoller Arbeit; er ist entschlossen, auch in den Worten, die er offen ausspricht, nie die Unwahrheit zu sagen, und erweist auch hier durch die Tat stets seine Sündlosigkeit, da ja die Lüge selbst stets der Ausdruck einer gewissen Heimtücke und deshalb kein wirkungsloses Wort ist, sondern eine schlimme Wirkung ausübt.

1: Vgl. Platon. Staat III p. 389 B; V p. 459 CD; Philon, De Cherub. 14 f.; Origines, Gegen Celsus IV 18 (Übersetzung Orig. II S. 316).
2: Vgl. Gellius XI 11, wo zwischen mendacium dicere und mentiri unterscheiden wird; ähnlich auch Sextus Empiricus, Adv. Math VII 43.
3: Vgl. Apg. 16,3.
4: Vgl. Eph 2,11; Röm 2,25; Sacra Par. 267 Holl.
5: Vgl. Röm 2,29; 3,30.
6: 1Kor 9,19 f. Das Wort (xxx) stammt aus 1Kor 9,22, wo die Handschriften DG und die lateinischen Übersetzungen diese Lesart bieten; so bei Clemens auch Strom. I 15,4; VI 124,1 und (xxx) Strom. V 18,7, während Strom. I 29,5 die zumeist überlieferte Lesart (xxx) voraussetzt.
7: Vgl. Strom. VII 66,4.
8: Vgl. 1Kor 4,15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger