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Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)
Buch 1
Traktat VIII. Die Furcht.

3.

Mit der Hilfe dieser Gottesfurcht hat Daniel unbewaffnet den Drachen getötet, der dem Volke ein Schrecken war; und hat, den Löwen vorgeworfen, in Todesgefahr Speise zu sich genommen, er, der, wenn er nicht in Todesgefahr war, zu fasten pflegte.1In dieser Furcht vor dem Herrn scheute sich Jonas nicht, sich freiwillig dem Schiffbruch preiszugeben; sein Sturz war mitleiderregend, mitleiderregender noch, daß er im aufgesperrten Rachen des Meerungeheuers begraben ward; und doch erreichte er dadurch den Strand, den er ersehnte, schon bevor er ihn mit den Augen sah ;2 er war glücklicher [S. 130] in seinem Grab als in seinem Schiff. Während des Gebetes bebte der Berg; aber nur der Berg zitterte, nicht die Apostel.3 Petrus wird von den Meereswogen getragen; aber er sinkt nicht unter, er wandelt auf ihnen; die Meerestiefe scheut sich, ihn, der sich nicht fürchtet, zu verschlingen; aber ganz verleugnet sie ihre Natur nicht, damit er nicht schließlich nicht glaube, daß er mit dem Fuß auf dem Meere gewandelt.4 Gegen Thekla 5 zückt ein erbittertster Ankläger das Schwert seiner Rede; die staatlichen Gesetze wenden mit ihren Vertretern sich in Wut gegen sie; wilde Tiere werden gegen sie zur höchsten Wut gereizt,6 aber sie zeigen sich milder als die Menschen. Und damit auch gar nichts bei diesem grausamen unmenschlichen Schauspiel fehle, werden auch Meerungeheuer auf sie losgelassen.7 Und die Jungfrau wird aller ihrer Kleider beraubt, dafür in eine leuchtende Wolke gehüllt.8 Und während bei soviel Todesvorbereitungen den Zuschauer Furcht erfaßt, überwindet sie selbst furchtlos alle Arten von Schrecken; unversehrt, gleichsam den Erdkreis zu ihren Füßen, verläßt sie die schrek-kensvolle Umfassung des Schauplatzes, der ihr den Tod bringen sollte, nicht beklagenswert, sondern bewundernswert, als triumphierende Siegerin über die Welt, sie, von [S. 131] der alle geglaubt, daß sie so vielen Martern erliegen müsse. Sieh, das ist die Furcht, die notwendig ist! Es ist die Furcht, die nur das eine erstrebt, glückselig zu machen; die durch das Bemühen darum zustande kommt, nicht durch ein Ungefähr; die aus freiem Willen hervorgeht, nicht durch die Not erzeugt wird; die in der Gottesverehrung (Religiosität) wurzelt, nicht im Schuldbewußtsein; die eine Furcht Gottes ist, nicht eine Furcht der Natur. Und wollt ihr wissen, worin ihre Eigenart besteht? Alle Arten von Furcht bringen diejenigen, die sie befallen, in ihrer Steigerung schließlich zum Tod; die Furcht Gottes steigert sich nur zu dem einen Ziel, denjenigen, der sie besitzt, unsterblich zu machen.

1: Dan. 14,22-38.
2: Jon. 1; 2.
3: Vermutlich Anspielung auf Apg. 4, 31.
4: Matth. 14, 29. 30.
5: Die folgenden Ausführungen gehen auf eine der circa vier lateinischen Übersetzungen der passio S. Theclae zurück; bei der Allgemeinheit der Ausführungen läßt sich die Rezension nicht bestimmen. Vgl. O. von Gebhardt. Die lateinischen Übersetzungen der Acta Pauli et Theclae. Leipzig 1902.
6: Stimulis acuitur feritas in ferocitatem. Nach der passio (vgl. Anm. 3) cap. 35 wurde den Stieren glühendes Eisen in die Weichen gestoßen.
7: Die Passio cap. 34 nennt focae marinae, in einer anderen Rezension vituli marini u. ä
8: Die Lesart der Ballerini: Laciniis omnibus spoliatur puella, vestitur incendio ist der Lesart Giuliaris vorzuziehen:... puella, vehitur in stadio. Die Passio spricht cap. 34 davon: Quae cum se nudasset, nubes ignea erat circa eam, bzw. nubes ignea cooperuit Theclam u. ä.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger