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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Buße (De paenitentia)
Zweites Buch

Cap. 3

[S. 283] Uebrigens würde der Apostel doch auch nicht gegen die offenbare Lehre Christi ankämpfen. Der Herr hat uns ein Gleichniß von einem Sünder, der Buße thut, in dem verlornen Sohne vorgeführt, der in ein fremdes Land ging und das Erbtheil, welches er von seinem Vater empfangen, in üppigem Leben verschwendete. Dann aber, als er seinen Hunger mit Träbern stillte, sehnte er sich nach dem Brode im Hause seines Vaters zurück. So erwarb er sich wieder das Ehrenkleid, den Ring an seine Hand, Schuhe an seinen Fuß: ihm zur Ehre wurde das Kalb geschlachtet, eine Hindeutung auf das Leiden des Herrn, durch welches uns das himmlische Sakrament bereitet ist.

Mit Recht heißt es: „er ging in ein fremdes Land“, weil er von den heiligen Altären getrennt war; so [S. 284] ist der Sünder von dem himmlischen Jerusalem, der vollen, wahren Heimath der Heiligen getrennt. Daß dort aber unsere Heimath ist, sagt auch der Apostel: „So seid ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.“1

„Er verschwendete seine Vermögenssubstanz“ heißt es weiter. Mit Recht; denn der Sünder, dessen Glaube in den Werken schwach ist, verschwendet in gleicher Weise. Der Glaube ist ja nach den Worten des Apostels die „Substanz, der zu hoffenden Dinge und die Gewißheit von Dingen, die nicht gesehen werden.“2 Fürwahr eine edle Substanz ist der Glaube, das Erbtheil unserer Hoffnung.

Es kann uns ferner nicht Wunder nehmen, daß derjenige dem Hungertode nahe kommt, welcher der himmlischen Nahrung entbehrt. „Ich will mich aufmachen“, spricht er dann voll Sehnsucht, „und zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Mein Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir.“ Erkennet ihr nicht, daß uns dieses so bestimmt vorgehalten ist, weil wir zum Bitten angetrieben werden, um die Theilnahme an dem Geheimnisse uns zu erwerben: und ihr wollet wegnehmen, um deßwillen doch die Buße einzig übernommen wird? Nimm dem Steuermann die Hoffnung, zum Hafen zu gelangen: er wird mitten auf den Meeresflächen trostlos umherirren. Nimm dem Kämpfer den Siegeskranz: er wird ermattet in der Arena zusammenbrechen. Nimm dem Fischer die Aussicht auf den Fang: er wird ablassen, ferner noch die Netze auszuwerfen. Wie soll denn nun derjenige, welcher den Hunger seiner Seele ertragen muß, mit größerem Eifer Gott bitten können, wenn er verzweifelt, zu dem heil. Mahle wieder zugelassen zu werden?

„Ich habe gesündigt“ lautet die Anklage, „wider den Himmel und vor dir.“ Das ist das Bekenntniß einer Sünde zum Tode, damit ihr nicht etwa glauben möchtet, es könne Jemand, der Buße — gleichviel über welche [S. 285] Sünde — thut, rechtlich ausgeschlossen werden. Derjenige, welcher wider den Himmel gesündigt hat, der hat entweder gegen das Himmelreich oder gegen die eigene Seele gesündigt, und das ist eine Sünde zum Tode; er hat vor Gott gesündigt nach dem Worte des Psalmisten: „Dir allein habe ich gesündigt und Böses vor dir gethan.“3

So rasch erwirkt er die Verzeihung, daß der Vater dem Ankommenden, aber noch weit Entfernten entgegeneilt; daß er ihm den Kuß, das Zeichen heiligen Friedens, gewährt, daß er das Kleid, das hochzeitliche Gewand, herbeibringen läßt, ohne welches man von der Theilnahme an dem Hochzeitsmahle ausgeschlossen wird. Den Ring gibt ihm der Vater an die Hand als Unterpfand der Treue, als Siegel des heiligen Geistes. Er läßt Schuhe bringen für die Füße des Heimgekehrten: muß ja auch derjenige, welcher das Ostermahl des Herrn feiert, von dem Osterlamme essen will, seine Füße bedeckt haben gegen alle Anfechtungen und Bisse der alten Schlange. Dann befiehlt der Vater, daß das Mahl bereitet werde: „Als unser Osterlamm ist ja Christus geopfert.“ Wie oft wir nun den Kelch des Herrn empfangen, verkündigen wir den Tod des Herrn. Wie er einmal für Alle gestorben ist, so nehmen wir, so oft die Sünden nachgelassen werden, Theil an dem Sakramente seines Leibes, so daß allezeit durch sein Blut die Nachlassung der Sünden bewirkt wird. So ist denn auf das Klarste durch das Wort des Herrn geboten, daß auch den schwersten Sündern, wenn sie aus ganzem Herzen und mit offenem Bekenntnisse ihrer Sünde Buße thun, die Gnade des himmlischen Geheimnisses wieder zu Theil werden soll. So ist denn außer Zweifel gestellt, daß für euch, ihr Novatianer, nichts zur Entschuldigung bleibt.

1: Ephes. 2, 19.
2: Hebr. 11, 1.
3: Ps. 50, 6 [Hebr. Ps. 51, 6].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger