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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Buße (De paenitentia)
Erstes Buch

Cap. 10

Solche Fürsprecher muß man also bei dem schwersten Vergehen suchen. Wenn dagegen gewöhnliche Menschen aus dem Volke bittend eintreten, so werden sie freilich keine Erhörung finden.

Deßhalb kann die fernere Frage, die ihr aus dem Briefe des heiligen Johannes herübernehmt, keinerlei Bedenken erregen. „Wer da weiß,“ sagt der Apostel, „daß sein Bruder sündige, aber nicht zum Tode, der bitte, und es wird dem, der nicht zum Tode sündiget, das Leben gegeben werden. Es gibt eine Sünde zum Tode, und nicht für diese sage ich, daß Jemand bitten solle.“1 Er redet nicht zu Moses und Jeremias, sondern zu dem Volke, welches für seine Sünden einen anderen Fürsprecher haben mußte. Ihm, dem Volke, mußte es genug sein, für die leichteren Vergehen bei Gott Fürbitte einzulegen, während es sich überzeugt halten mußte, daß nur die Gebete der Gerechten Gnade für die schwereren Sünden erwirken könnten. Wie sollte sonst Johannes behaupten können, man dürfe für schwerere Vergehen nicht bittend auftreten, da er doch wußte, daß Moses bei seiner Fürbitte Erhörung gefunden, als es sich um einen ganz freiwilligen Abfall handelte? Nicht minder wußte er, daß Jeremias mit gleichem Erfolge gebeten hatte.

Wie sollte nun Johannes behaupten können, man dürfe [S. 254] nicht für die Sünde, welche zum Tode ist, eintreten, da er doch in der geheimen Offenbarung jenes Gebot an den Engel der Kirche von Pergamos schrieb? „Du hast daselbst Einige, welche die Lehre Balaams halten, der den Balak lehrte, ein Aergerniß anzurichten vor den Kindern Israels, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben: so hast auch du, welche die Lehre der Nicolaiten halten. Thue auch du Buße: wo nicht, so komme ich dir schnell.“ Seht ihr, wie Gott, der die Buße fordert, auch Verzeihung zusagt? Er fügt nämlich hinzu: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: wer überwindet, dem will ich von dem verborgenen Manna zur Speise geben.“

Hatte etwa Johannes nicht erfahren, daß Stephanus für seine Verfolger betete, obwohl diese nicht einmal den Namen Christi hören konnten? Für diejenigen, welche ihn steinigten, flehte er: „Herr, rechne es ihnen nicht zur Sünde.“ Wie wirksam dieses Gebet war, zeigt uns der Apostel. Es wurde ja Paulus, der die Kleider der Steiniger bewacht hatte, nicht lange nachher durch die Gnade Christi ein Apostel des Herrn, wie er vorher sein Verfolger gewesen war.

1: I. Joh. 5, 16. Der Apostel versteht hier unter der „Sünde zum Tode“ das offenkundige Aufgeben der Lebensgemeinschaft mit dem „Sohne Gottes“. Aehnlich Hebr. 6, 4—6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger