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Gerhard Rauschen, Einleitung zu Justin dem Märtyrer. In: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten Band I. Aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzt von Dr. Kaspar Julius (Aristides); Dr. Gerhard Rauschen (Justin, Diognet); Dr. R.C. Kukula (Tatian); P. Anselm Eberhard (Athenagoras). (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 12) München 1913.
Einleitung zu Justin dem Märtyrer

1. Justins Leben. [S. 57]

Der hervorragendste unter den Apologeten des zweiten Jahrhunderts ist der Philosoph Justin der Märtyrer. Er entstammte einer heidnisch-griechischen Familie zu Flavia Neapolis (heute Nabulus), dem alten Sichem in Samaria. Er selbst schildert uns (dial. 2-8), wie er als Jüngling, von Wissensdurst getrieben, in verschiedene Schulen kam, die ihn aber alle enttäuschten. Zuerst besuchte er längere Zeit einen Stoiker, der ihn dadurch abstieß, daß er niemals Gott erwähnte, ja sogar behauptete, es sei unnötig, etwas von Gott zu wissen. Darum wandte er sich nun an einen Peripatetiker; dieser wollte jedoch an erster Stelle wissen, welchen Preis er für den Unterricht erhalten würde, und das schien dem Justin eines Philosophen unwürdig zu sein. So verließ er auch diesen und suchte einen Pythagoräer auf, Der fragte ihn, ob er auch Astronomie und Musik verstehe, da diese Wissenschaften den Geist vom Sinnlichen abziehen und zum Schauen des Göttlichen als des absolut Guten und Schönen vorbereiten; Justin mußte eingestehen, daß er von diesen Fächern nichts verstehe. Auf seiner weiteren Wanderung kam er zu einem Platoniker, bei dem er solche Fortschritte machte, daß er hoffen konnte, bald zum Schauen des Göttlichen, dem Endziele der platonischen Philosophie, zu gelangen.

Da bekam sein Leben auf einmal eine ganz andere Richtung . Ein ehrwürdiger Greis, mit dem er auf einem Spaziergange am Meere, wahrscheinlich bei Ephesus, zusammentraf, überzeugte ihn, daß auch die Philosophie Platons viele Rätsel ungelöst lasse, und wies ihn auf die jüdischen Propheten als bessere Lehrer hin. Justin hatte schon früher die Todesverachtung der Christen bewundert und aus ihr geschlossen, daß diese Menschen unmöglich die [S. 58] Schlechtigkeiten begingen, die man ihnen nachsagte. So trat er zum Christentum über und widmete sein Leben fortan der Verteidigung des Glaubens; er zog als Wanderlehrer im Philosophenmantel umher und knüpfte auf öffentlichen Plätzen mit Leuten der verschiedensten Stände Gespräche an. Später gründete er in Rom eine christliche Schule; hier war Tatian, der spätere Apologet, sein Schüler, der kynische Philosoph Kreszenz aber sein erbitterter Gegner.

Über das Ende Justins haben wir einen alten, treuen Bericht, der ohne Zweifel auf dem amtlichen Gerichtsprotokolle beruht. Nach diesem Berichte wurde er zu Rom vor den Stadtpräfekten Junius Rustikus geführt, der ihn mit sechs anderen Christen enthaupten ließ (um 165).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger