Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Gerhard Rauschen, Einleitung zu Justin dem Märtyrer. In: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten Band I. Aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzt von Dr. Kaspar Julius (Aristides); Dr. Gerhard Rauschen (Justin, Diognet); Dr. R.C. Kukula (Tatian); P. Anselm Eberhard (Athenagoras). (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 12) München 1913.
Einleitung zu Justin dem Märtyrer

3. Inhalt und Einteilung der Apologien.

Justin schreibt nach den Eingebungen des Augenblicks ; er schweift leicht von seinem Gegenstande ab, um Exkurse zu machen, und veranlaßt [S. 60] dadurch Zerstückelungen, Wiederholungen und Nachträge. Außerdem liebt er einen langatmigen Satzbau und hat eine matte Ausdrucksweise, die sich nur selten zu Schwung und Wärme erhebt. Die Kunst der Darstellung besitzt er also nicht. Der Versuch Wehofers 1, die Apologien Justins als Kunstreden, die nach den Regeln antiker Rhetorik ausgearbeitet seien, zu erweisen, hat keinen Beifall gefunden. Justin ist nicht mit einem fertigen Plan an seine Arbeit herangetreten, sondern hat seinen Gedanken freien Lauf gelassen. Darum ist es auch schwer, eine genaue Disposition seiner Apologien zu geben . Am besten unterscheidet man in der ersten Apologie zwei konzentrische Kreise von apologetischen Beweisen, einen engeren bis Kap. 12 einschließlich und einen weitern bis zum Schluß. Von der zweiten Apologie läßt sich überhaupt keine Disposition, sondern nur eine Inhaltsangabe machen 2.

Inhalt der ersten Apologie:

A. Einleitung (c. 1-3): Die Christen dürfen nicht ihres Namens wegen, sondern nur auf Grund erwiesener Verbrechen verurteilt werden.
B. Ausführung (c. 4-67).

1. Engerer Zyklus von Beweisen, vornehmlich negativer Art (c.4-12): Der Name Christ beweist so wenig wie der Name Philosoph etwas für die Schuld oder Unschuld eines Menschen (c. 4). Ursache der Christenverfolgungen sind die bösen Geister (c. 5). Die Christen sind keine Atheisten (c. 6). Wenn einzelne Christen als Verbrecher überführt wurden, so folgt daraus nichts für die übrigen Christen (c.7). Beim Verhör verleugnen die Christen ihren Glauben nicht mit Rücksicht auf das jenseitige Leben (c. 8); sie lehnen die Götterverehrung ab, weil diese unsinnig [S. 61] ist (c. 9). Sie bringen überhaupt keine materiellen Opfer dar (c.10). Ihre Jenseitshoffnungen und die Furcht vor ewiger Strafe hält sie von Übeltaten ab und macht sie zu den besten Stützen des Thrones (c. 11 und 12).

2. Erweiterter Zyklus von Beweisen , insbesondere Darlegung und Rechtfertigung des Inhaltes der christlichen Religion (c. 13-67).

a) Die christliche Glaubens- und Sittenlehre (c.13-60): Die Opfer der Christen sind Gebete und Danksagungen (c. 13). Sittliche Hoheit der Christen (c. 14-17); ihre Eschatologie (c. 18-20). Die Himmelfahrt Christi, seine übernatürliche Geburt und seine Wunder (c. 21 u. 22). Die Wahrheit der Lehre der Christen ergibt sich auch daraus, daß sie allein Gegenstand des Hasses der Dämonen sind, die ihnen mit Unrecht allerlei Verbrechen nachsagen (c. 23-29). Eingehender Beweis der Gottheit Christi aus den alttestamentlichen Weissagungen (c. 30-53). Die Dämonen haben die jüdischchristlichen Weissagungen in den heidnischen Mysterien nachgeäfft, haben Menschen, wie die Samariter Simon und Menander, dazu gebracht, sich für Gott auszugeben, und haben andere, wie den Markion, dazu verleitet, einen zweiten Gott neben dem Schöpfergott zu lehren (c. 54-58). Das Alte Testament hat dem Platon für mehrere seiner Lehren als Quelle gedient (c. 59 u. 60).

b) Kultus und Gemeindeleben der Christen (c. 61-67: Die Taufe und ihre Nachäffung durch die Dämonen bei den Heiden (c. 61-64). Die Eucharistie (c. 65 u. 66). Gemeindeleben der Christen (c. 67).
C. Schluß : Ernste Mahnungen an die Kaiser (c.68).

Angehängt ist der ersten Apologie ein Reskript des Kaisers Hadrian an Minucius Fundanus, den Prokonsul von Asien, welches ein geregelteres und gerechteres Verfahren bei den Christenprozessen verlangt 3.
[S. 62]

Inhalt der zweiten Apologie:

Veranlassung (c. 1-3). Obschon die Christen sich nach dem Himmel sehnen, legen sie doch nicht selbst Hand an sich (c. 4). Die Christenverfolgungen sind das Werk der Dämonen, welche die Christen hassen (c. 5-8). Die Bösen wird ewige Strafe treffen (c. 9). Trübsale sind der beste Weg zum Himmel (c. 10-13). Der Verfasser bittet die Kaiser, sie möchten im Interesse der Wahrheit seine Schriften veröffentlichen lassen und ein gerechtes Urteil in Sachen der Christen abgeben (c. 14-15).

1: Wehofer O. Pr., Die Apologie Justins des Philosophen und Märtyrers in literarhistorischer Beziehung, Rom 1897.
2: Rauschen, Die formale Seite der Apologien Justins (Theol. Quartalschrift, Tübingen 1899, 188-206).
3: Über den Sinn dieses vielbestrittenen, aber echten Schreibens vgl. Callewaert in der Revue d'hist. et de litterature religieuses, Paris 1903, 152-189.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . 1. Justins Leben.
. . 2. Justins Schriftstel...
. . 3. Inhalt und Einteilung ...
. . 4. Die Lehre Justins.
. . 5. Ausgaben und Schriften ...

Einleitung zu:
Erste Apologie (Justin der Märtyrer († um 165))
Zweite Apologie (Justin der Märtyrer († um 165))

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger