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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch

VII. Kapitel

35.

1. Es ist uns aber befohlen, den Logos anzubeten und zu verehren, in der Überzeugung, daß er unser Heiland und Führer ist, und durch ihn den Vater, und zwar sollen wir dies nicht wie manche andere nur an besonders auserwählten Tagen, sondern ununterbrochen das ganze [S. 42] Leben hindurch und auf jede Weise tun.

2. "Das auserlesene Geschlecht"1 sagt ja: "Siebenmal des Tages lobte ich dich",2 und wird so durch Befolgung des Gebotes gerechtfertigt.3

3. Deshalb schaut sich der Gnostiker nicht nach einem bestimmten Platz oder einem auserlesenen Heiligtum und auch nicht nach bestimmten Festen und nach Tagen um,4 die aus den übrigen abgesondert sind, sondern er verehrt Gott sein ganzes Leben lang an jedem Ort, mag er nun für sich ganz allein sein oder einige bei sich haben, die in gleicher Weise wie er gläubig geworden sind; er ehrt aber Gott dadurch, daß er ihm für die ihm gewährte Erkenntnis und den ihm ermöglichten Lebenswandel Dank sagt.

4. Wenn aber die Anwesenheit eines guten Mannes auf jeden, der mit ihm zusammentrifft, immer einen bessernden Einfluß ausübt, weil man auf ihn Rücksicht nehmen und sich vor ihm schämen muß, wie sollte es da nicht selbstverständlich sein, daß noch viel mehr derjenige, der durch die Erkenntnis und durch seinen Lebenswandel und durch seine Danksagung immer ohne Unterbrechung mit Gott zusammen ist, bei jeder Gelegenheit und in jeder Hinsicht, in Taten, in Worten und in der Gesinnung, besser wird, als er es bisher war?

5. Ein solcher Mann ist es, der überzeugt ist, daß Gott überall zugegen ist, und nicht annimmt, daß Gott in bestimmten, festbegrenzten Plätzen eingeschlossen sei, so daß er in der törichten Meinung, irgendeinmal fern von ihm zu sein, bei Tag und bei Nacht zuchtlos wäre.

6. Wir bringen also unser ganzes Leben wie einen Festtag zu; und da wir überzeugt sind, daß Gott überall und allenthalben zugegen ist, preisen wir ihn, während wir unser Feld bebauen, und singen Loblieder, während wir zur See fahren,5 und führen auch sonst unser ganzes Leben in Gedanken an Gott.6

7. Und der Gnostiker kommt in ein immer näheres Verhältnis zu Gott, da er in allem zugleich ernst und heiter ist, ernst, weil sein Denken der Gottheit zugewendet ist, heiter, weil er an die menschlichen Güter denkt, die uns Gott geschenkt hat.

1: Vgl. 1 Petr 2,9.
2: Vgl. Ps 118,164.
3: Vgl. vielleicht ebd. 118,172.
4: Ich übersetze mit der Ergänzung (xxx).
5: Vgl. Protr. 100,4 mit Anm.
6: Ich lese mit Hort (xxx).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger