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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VII. Kapitel

43.

[S. 49] 1. Jeder Ort, wo wir an Gott denken, und jede Zeit ist sonach heilig.1 Wenn aber jemand zugleich mit guten Vorsätzen und mit Dankbarkeit etwas im Gebet für sich erbittet, so hilft er in einem gewissen Sinn dazu mit, daß er das Erbetene erlangt, indem er dadurch, daß er betet, sich willig zeigt, das Gewünschte anzunehmen.

2. Denn wenn der Geber alles Guten von uns die Bereitwilligkeit (zur Annahme) entgegennimmt, dann wird uns alles Gute auf einmal zuteil gleichzeitig damit, daß wir es in Gedanken erfassen. Sicherlich wird durch das Gebet erprobt, wie sich jeder seiner Gesinnung nach zu seinen Pflichten verhält.

3. Wenn uns aber die Sprache und das Wort gegeben sind, damit wir einander verstehen können, wie sollte da Gott nicht die Seele selbst und das Denken hören, da ja schon eine Seele eine andere Seele und ein Geist einen anderen Geist vernimmt?

4. Deshalb hat es Gott nicht nötig, erst die Äußerungen in den mannigfaltigen Sprachen abzuwarten, wie das bei den menschlichen Dolmetschern der Fall ist, sondern er kennt unmittelbar die Gedanken aller Menschen; und was uns die Stimme kundtut, das sagt Gott unser Denken, von dem er schon vor der Schöpfung wußte, daß es uns in den Sinn kommen werde.

5. Es ist also möglich, das Gebet auch ohne das gesprochene Wort zu Gott zu senden, wenn man nur in seinem Inneren entsprechend der unverrückbaren Hinwendung zu Gott alle seine Geisteskraft auf die Stimme des Geistes sammelt.

6. Da aber der Osten das Bild für den Tag der Geburt ist und sich von dort her das Licht ausbreitet, das zuerst "aus der Finsternis hervorleuchtete",2 und ferner auch den in Unwissenheit Befindlichen3 gleich der Sonne der Tag der Erkenntnis der Wahrheit aufging, werden die Gebete in der Richtung auf den Aufgang der Morgenröte gesprochen.4

7. Deshalb schauten auch die ältesten Tempel gegen Westen, damit diejenigen, die den Götterbildern gegenüberstanden, angeleitet würden, sich dem Osten zuzuwenden.

8. "Mein Gebet steige vor dir gerade in die Höhe wie ein Rauchopfer, das Erheben meiner Hände wie ein Abendopfer!",5 sagen die Psalmen.

1: Vgl. Origines, Vom Gebet 31,4 (Übersetzung Orig. I S. 141).
2: 2Kor 4,6.
3: 3Vgl. Mt 4,16).
4: Vgl. Origines, Vom Gebet 32 (Übersetzung Orig I S. 145).
5: Ps 140,2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger