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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VII. Kapitel

41.

1. In diesem Zusammenhang fallen mir die von einigen Irrlehrern, nämlich den Anhängern der Sekte des [S. 47] Prodikos, eingeführten Lehren ein, daß man nicht beten solle.1

2. Damit sie sich nun auf diese ihre gottlose Weisheit nicht etwas zugute tun, als wäre es eine neue Erfindung, so sollen sie wissen, daß sie von den sogenannten Kyrenaischen Philosophen schon vorweggenommen ist.2

3. Trotzdem wird die unheilige Erkenntnis dieser Leute, die mit Unrecht als Gnostiker bezeichnet werden,3 eine Widerlegung finden, aber erst, wenn die rechte Zeit dazu ist, damit nicht ihre Bekämpfung, die sich nicht mit wenigen Worten erledigen läßt, jetzt störend in meine Untersuchung eindringe und den vorliegenden Gedankengang unterbreche, in dem wir zeigen wollen, daß allein wahrhaft heilig und fromm der Gnostiker ist, der dies wirklich entsprechend der kirchlichen Richtschnur ist, und daß ihm allein nach Gottes Willen die Bitte erfüllt wird, mag er nun die Bitte ausgesprochen oder nur gedacht haben.4

4. Denn wie Gott alles kann, was er will, so erhält der Gnostiker alles, worum er bittet.5

5. Denn Gott weiß überhaupt, wer der Güter würdig ist und wer nicht. Daher gibt er jedem einzelnen, was ihm zukommt. Deshalb wird er oft das Erbetene nicht geben, wenn die Betenden dessen nicht würdig sind, und (ohne gebeten zu sein) denen geben, die nämlich würdig sind.

6. Indessen ist das Gebet nicht überflüssig, wenn das Gute auch ohne Bitte gegeben wird. Zum Beispiel ist das Dankgebet und das Gebet für die Nächsten zum Zweck ihrer Bekehrung eine Pflicht des Gnostikers.

7. So betete auch der Herr, indem er dafür dankte, daß er seinen Dienst vollendet hatte,6 und betete, daß möglichst viele zu voller Erkenntnis kommen möchten,7 damit unter den Geretteten durch die Rettung Gott auf Grund voller Erkenntnis gepriesen8 und der einzige Gute9 und der einzige Heiland durch den Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit erkannt werde.

8. Freilich ist auch schon [S. 48] der Glaube, daß man etwas erlangen werde, die Form eines Gebets, das in gnostischer Weise im Inneren vorhanden ist.

1: Vgl. Origines, Vom Gebet 5,1 (in der Übersetzung Orig. I S. 21 f.).
2: Vgl. das, was Diog. Laert. II 97 von dem Kyrenaiker Theodoros erzählt ist.
3: Vgl. 1Tim 6,20.
4: Vgl. das Strom. VI 78,1; 101,4; VII 73,1 angeführte Agraphon.
5: Sacra Par. 266 Holl; vgl. Mt 21,22.
6: Vgl. Joh 17,4.
7: Vgl. ebd. 17,20.23.
8: Vgl. Röm 10,2; Joh 17,1.
9: Vgl. Mt 19,17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger