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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VII. Kapitel

49.

1. Deshalb muß, wer mit Gott verkehren will, seine Seele unbefleckt und vollkommen rein erhalten, womöglich indem er sich zu vollkommener Güte ausgebildet hat, wenn aber dies nicht möglich ist, indem er wenigstens zur Erkenntnis hin Fortschritte macht und nach ihr Verlangen trägt und sich von den Taten der Bosheit vollkommen losgesagt hat.

2. Aber es geziemt sich auch, daß er alle Gebete ordentlich und zusammen mit ordentlichen Menschen verrichtet; denn es ist eine gefährliche Sache, wenn man die Verfehlungen anderer begünstigt.

3. Der Gnostiker wird also mit den einfachen Gläubigen nur in den Dingen auch mitbeten, bei denen es sich für ihn ziemt, auch mitzuarbeiten. Sein ganzes Leben ist aber ein heiliges Fest.1

4.2 Dementsprechend bestehen seine Opfer in Gebeten und Lobpreisungen und dem Lesen der Heiligen Schrift vor der Mahlzeit, in Psalmen und Gesängen während der Mahlzeit und vor dem Schlafengehen, aber auch nachts wieder in Gebeten. Dadurch vereinigt er sich mit "dem göttlichen Reigen",3 dem er infolge seines ununterbrochenen Gedenkens eingegliedert ist zu dem unvergeßlichen Schauen.

5. Wie nun? Kennt er nicht auch das andere Opfer, das in der willigen Hingabe von Lehren und Sachen an die Bedürftigen besteht? Ganz gewiß!

6. Bei dem Gebet aber, das er laut spricht, verwendet er nicht viele Worte,4 da er von dem Herrn auch gelernt hat, worum er beten muß.5 Er wird also an jedem Orte,6 aber nicht in aller Öffentlichkeit und vor aller Augen7 beten.

7. Er betet aber unter allen Verhältnissen, mag er nun einen Spaziergang machen oder in Gesellschaft sein oder ausruhen oder lesen oder ein verständiges Werk beginnen. Und wenn er in der "Kammer"8 seiner Seele selbst nur einen Gedanken hegt9 und "mit unaussprechlichen Seufzern"10 "den Vater anruft"11 [S. 56] ist dieser nahe12 und bereits zugegen, während jener noch spricht.13

8. Von den drei Gesichtspunkten, die bei jeder Handlung möglich sind, kommt bei allen seinen Taten nur das Schöne und das Nützliche in Betracht; dagegen überläßt er es denen, die dem gemeinen Leben anhangen, das Angenehme zum Zweck des Handelns zu machen.14

1: Vgl. Pythagoras bei W. Schmid, Griech. Lit. I 1 S. 750 Anm. 2.
2: Zu 49,4 vgl. Paid. II 44,1 f.; 79,2.
3: Vgl. Platon, Phaidros p. 247 A.
4: Vgl. Mt 6,7.
5: Vgl. ebd. 6,9-13.
6: Vgl. 1Tim 2,8.
7: Vgl. Mt 6,5.
8: Vgl. Mt 6,6.
9: Vgl. oben 41,3 mit Anm.
10: Vgl. Röm 8,26.
11: Vgl. 1Petr 1,17.
12: Vgl. Ps 144,18.
13: Vgl. Jes 58,9.
14: Vgl. Chrysippos Fr. mor. 20 ff. v. Arnim.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger