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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VII. Kapitel

48.

1. Ihm hilft auch Gott1 und ehrt ihn durch eine noch unmittelbarere Fürsorge. Oder sind nicht um der guten Menschen willen und zu ihrem Gebrauch und Nutzen oder vielmehr zu ihrem Heil alle Dinge geschaffen worden? Gott wird also sicherlich denen, für die das Geschaffene da ist, das nicht nehmen, was der Tugend wegen da ist.

2. Denn es ist offenbar, daß er ihre gute Anlage und ihre heilige Entscheidung ehren wird, da er ja auch denen, die sich zu einem guten Leben entschlossen haben, Kraft für die Vollendung der Rettung einflößt, und zwar den einen nur dadurch, daß er sie antreibt, den anderen, die durch ihre eigene Leistung würdig geworden sind, auch dadurch, daß er ihnen hilft.

3. Denn für den Gnostiker ist alles Gute eine Art von nachträglicher Zutat,2 da ja sein Endziel ist, alles einzelne zu verstehen und verständig zu handeln.

4. Wie aber der Arzt denen Gesundheit verschafft, die mit ihm auf die Gesundheit hinarbeiten, so schenkt auch Gott das ewige Heil denen, die mit ihm auf die Erkenntnis und auf das Verrichten guter Taten3 hinarbeiten; und da es in unserer Macht steht, zu tun, was die Gebote befehlen, so wird gleichzeitig damit, daß wir etwas tun, auch die Verheißung erfüllt.

5. Und mir scheint jene Erzählung bei den Griechen treffend zu sein: Ein hervorragender Wettkämpfer der Vorzeit kam zu den Olympischen Spielen, nachdem er seinen Körper lange Zeit hindurch gar trefflich für ausgezeichnete Leistungen geschult hatte. Dort richtete er seinen Blick auf das Standbild des Zeus von Pisa und sagte: "Wenn ich, o Zeus, mich in jeder Hinsicht pflichtgemäß auf den Kampf vorbereitet habe, so gib mir, wie es billig ist, rasch den Sieg!"

6. Denn so verhält es sich auch bei dem Gnostiker. Wenn er ohne Versäumnis und mit gutem Gewissen, soweit es auf ihn ankommt, hinsichtlich des Lernens und der Selbstbeherrschung und der Vollführung von guten Taten und des Erwerbens des göttlichen Wohlgefallens alles erfüllt hat, dann hilft die ganze Welt mit, um sein Heil zu vollenden.

7. Das ist es also. was von [S. 55] uns gefordert wird, nämlich das, was in unserer Macht steht, das ist bei den Dingen, die uns angehen, mögen sie gegenwärtig oder abwesend sein, Wahl und Verlangen und Erwerben und Benützen und beständiges Verharren.

1: Vgl. Euripides Fr. 432,2; Strom. VI 10,6.
2: Das hier verwendete Wort (xxx) ist ein stoischer Ausdruck, der auch bei Cicero, De fin. III 32 vorkommt (Chrysippos fr. mor. 504 v. Arnim).
3: Zu dieser Zusammenstellung vgl. Strom. VI 122,4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger