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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VII. Kapitel

36.

1. Auf die überragende Bedeutung der Erkenntnis weist aber der Prophet offenbar mit folgenden Worten [S. 43] hin: "Lehre mich Güte und Bildung und Erkenntnis!",1 wobei er durch die Steigerung in der Aufzählung das besonders hervorhebt, was bei der Vollkommenheit die erste Stelle einnimmt.

2. Dieser Gnostiker ist also wirklich der königliche Mensch; er ist ein frommer Priester Gottes, wie sich diese Verbindung zwischen Königtum und Priestertum auch jetzt noch bei den verständigsten Barbaren erhält, die das Geschlecht der Priester zur Königswürde aufsteigen lassen.2

3. Ein solcher Mann versteht sich nie dazu, sich unter den Pöbel zu mischen, der in den Theatern herrscht, und was dort der zuchtlosen Lust wegen gesagt und getan und angeschaut wird, das mißbilligt er sogar im Traum.3 Er hält sich also von diesen Vergnügungen der Schaustücke fern und ebenso von den mannigfaltigen Darbietungen der anderen Genüsse, wie z. B. von den kostbaren Wohlgerüchen, die den Geruchsinn betören, und den kunstvollen Zubereitungen von Speisen und dem Genuß von verschiedenen Weinen, der den Geschmackssinn verlockt, und von den bunten und süßduftenden Blumenkränzen, die durch ihre Wirkung auf die Sinne die Seele verweichlichen.

4. Und alles, was er mit reinem Sinn genießt, führt er immer auf Gott als den Urheber zurück und spendet von Speise und Trank und Salbe dem, der alles gegeben hat, und sagt mit der ihm geschenkten Sprache Dank für das Geschenk und den ihm dadurch gewährten Genuß. Nur selten nimmt er die Einladung zu gastlichen Veranstaltungen an, es sei denn, daß ihm die Einladung das freundschaftliche Zusammensein mit Gleichgesinnten verheißt und ihn deshalb veranlaßt, zu kommen.4

5. Denn er ist überzeugt, daß Gott alles weiß und nicht nur die Stimme hört, sondern auch die Gedanken kennt, da ja auch unser Hören, obwohl es durch die Gehöröffnungen an unserem Körper bewirkt wird, nicht durch die Fähigkeit des Körpers dieses Verstehen ermöglicht, sondern durch eine Wahrnehmung der Seele und durch den Verstand, der die Bedeutung der Laute unterscheiden kann.

1: Ps 118,16.
2: Vgl. das von Platon, Politic. p. 290 D über die Ägypter Erzählte.
3: Vgl. Platon, Theaitetos p. 173 D.
4: Sacra Par. 265 Holl.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger