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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XLIII. (Nr. 95.) An Paulinus und Therasia

2.

Ich habe dich in einem früheren Briefe um deine Meinung gefragt hinsichtlich der Beschaffenheit des zukünftigen ewigen Lebens der Heiligen. Aber du hast mir treffend geantwortet, es gebe auch über unseren Zustand im gegenwärtigen Leben noch manches zu fragen. Damit aber hast du auf eine Frage hingewiesen, die ich entweder ebensowenig beantworten kann wie du oder die du ebensowohl oder vielleicht noch besser beantworten kannst als ich. Denn du sagst vollkommen richtig, daß wir zuerst den Tod im Sinne des Evangeliums erleiden müssen, ehe wir der leiblichen Auflösung in selbstgewollter Lostrennung zuvorkommend nicht im Tode, sondern in Gedanken von diesem zeitlichen Leben Abschied nehmen. Die Lösung ist einfach und über alle Bedenklichkeiten und Zweifel erhaben, wenn wir sagen: „Man muß in diesem sterblichen Leben sich so verhalten, daß wir uns dadurch gewissermaßen für das unsterbliche Leben geeignet machen.“ Wenn aber Leute wie ich eine Frage stellen oder eine Sache erörtern, so ist ihnen immer dies die Hauptfrage, auf welche Weise man sein Leben einrichten müsse, sowohl inmitten jener als aus Rücksicht auf jene, die noch nicht gelernt haben, ein Leben zu führen, das nicht durch den leiblichen Tod, sondern durch die mit einer gewissen Herzensfreude vollzogene Abwendung von den leiblichen Genüssen abgetötet ist. Denn es scheint uns oft, daß wir nichts Erfolgreiches bei ihnen zuwege bringen können, wenn wir uns ihnen nicht ein wenig anbequemen in bezug auf jene Dinge, die wir ihnen abgewöhnen wollen. Während wir dies aber tun, beschleicht uns selbst eine Lust an diesen Dingen, so daß es uns oft Freude macht, Eitles zu reden, eitlen Reden zuzuhören und hierbei nicht bloß zu lächeln, sondern uns vom Lachen hinreißen und beherrschen zu lassen. Indem wir dann durch solche Vergnügungen unsere Seelen mit Staub oder sogar mit Kot belasten, können wir sie nur mehr mit Mühe und Not zu Gott erheben, um ein Leben im Sinne des Evangeliums zu führen und eines Todes im Sinne des Evangeliums zu sterben. Gelingt es uns bisweilen, so wird gleich gerufen: „Herrlich, herrlich“, nicht von Menschen, denn kein Mensch kennt diesen inneren Vorgang an einem anderen; aber im verschwiegenen Innern ruft es, ich weiß nicht aus welchem Winkel: „Herrlich, herrlich!“ Diese Art von Versuchung meint der große Apostel, wenn er bekennt, von einem Engel Faustschläge empfangen zu haben1. „Sieh, so ist das ganze Leben des Menschen auf Erden eine Versuchung“2; denn auch da wird der Mensch versucht, wo er sich, so viel nur möglich, dem himmlischen Leben zu nähern sucht.

1: 2 Kor 12, 7.
2: Job 7, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger