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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VI. Kapitel

32.

. Was sagen sie also von Gott? Findet bei ihm eine Durchatmung statt wie bei dem Geschlecht der [S. 38] Dämonen?1 Oder atmet er nur ein wie die Fische durch die Ausdehnung ihrer Kiemen? Oder atmet er ringsum, wie die Kerbtiere es tun, indem sie mit ihren Flügeln den Einschnitt zusammenpressen?2

2. Aber wenn sie bei Sinnen sind, werden sie Gott keinem von diesen Wesen vergleichen. Alle Lebewesen aber, die ein- und ausatmen, ziehen die Luft in sich ein vermittelst der Ausdehnung der Lunge gegen den Brustkorb.3

3. Wenn sie ferner Eingeweide und Schlag- und Blutadern und Sehnen und Glieder Gott zuschreiben, so werden sie ihn als in keiner Hinsicht von den genannten Wesen verschieden darstellen.

4. Das Zusammenatmen (die Übereinstimmung) wird aber in eigentlicher Bedeutung von der Kirche gesagt. Denn auch das Opfer der Kirche ist eine Rede, die von den heiligen Seelen wie Rauch aufsteigt, wobei zugleich mit dem Opfer auch die ganze Gesinnung Gott enthüllt wird.

5. Aber nun hat man zwar viel davon geredet, daß der uralte Altar auf Delos heilig sei, und erzählt, daß auch Pythagoras sich nur diesem einzigen Altar genaht habe, weil er von Blut und Tod nicht befleckt war;4 wenn aber wir sagen, daß ein wahrhaft heiliger Altar die gerechte Seele5 und der von ihr aufsteigende Weihrauch das fromme Gebet sei, da wollen sie es uns nicht glauben?

6. Die Menschen haben aber, meine ich, die Opfer erfunden, um einen Anlaß zum Fleischessen zu haben. Es wäre aber auch sonst ohne diesen Götzendienst für jeden, der wollte, möglich gewesen, sich Fleisch zum Essen zu nehmen.

7. Die im Gesetz vorgeschriebenen Opfer haben aber eine sinnbildliche Bedeutung für unsere eigene Frömmigkeit; wenn z.B. die Turteltaube und die gewöhnliche Taube als Opfer für Sünden dargebracht werden,6 so bedeutet das, daß die Läuterung des unvernünftigen Seelenteils Gott wohlgefällig ist.7

8. Wenn aber ein Gerechter seine Seele nicht durch Fleischnahrung beschweren will, so hat er für sein Tun einen vernünftigen Grund, freilich einen anderen als [S. 39] Pythagoras und seine Anhänger, die von einer neuen Bindung der Seele an einen Körper (von der Seelenwanderung) träumten.

9. Xenokrates aber und Polemon, jener in einer besonderen Schrift "Über die Fleischnahrung", dieser in seinen Büchern "Über das naturgemäße Leben", scheinen ausdrücklich zu sagen, daß die Fleischnahrung unzuträglich sei, weil sie, sobald sie einmal verdaut sei, auch den Seelen der unvernünftigen Tiere gleichmache.8

1: Über das Atmen der Dämonen handelt Markos bei Psellos (Migne S. Gr. 122 Col. 841).
2: Über die verschiedenen Arten des Atmens der Tiere vgl. Aristoteles, De respiratione 9 p. 475a 1 ff.
3: Vgl. Galenos, De causis respirationis vol. IV p. 466 Kühn.
4: Vgl. Diog. Laert. VIII 13; Timaios Fr. 79 FHG I p. 211.
5: Sext. Pythag. Sent. 46ab Elter.
6: Vgl. z.B. Lev 12,6.
7: Vgl. Paid. I 14,3.
8: Vgl. Xenophanes fr. 100 Heinze; Mullach FPG III p. 109.127.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger