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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
VI. Kapitel

31.

1. Und Menandros hat gedichtet:
"Der Hüfte letztes Stück,
Die Galle und die harten Knochen legen sie
Den Göttern hin; das übrige verzehr'n sie selbst."1

2. Ist denn der Rauch von verbrannten Opfern nicht sogar für die Tiere unerträglich? Wenn aber in der Tat der Fettdampf eine Ehrengabe für die griechischen Götter ist,2 dann sollten sie nicht zögern, auch die Köche göttlich zu verehren, die des gleichen Glückes gewürdigt werden, und den Rauchfang selbst anzubeten, der dem hochgeschätzten Fettdampf noch näher ist.

3. Und Hesiodos erzählt [S. 37] irgendwo, Zeus sei bei einer Verteilung des Fleisches von Prometheus betrogen worden und habe erhalten:
"Des Rindes glänzende Knochen,
Die er voll listiger Kunst mit schimmerndem Fette bedeckte.
Seit der Zeit verbrennen auf Erden der Menschen Geschlechter
Glänzende Knochen den Göttern auf Weihrauch duftendem Altar."3

4. Aber Gott erhält doch, so sagen sie, keineswegs deshalb Nahrung, weil er unter dem aus dem Bedürfnis erwachsenden Verlangen leidet. Sie werden ihn also, wenn er, ohne ein Verlangen danach zu empfinden, Nahrung erhält, auf die gleiche Stufe mit einer Pflanze oder mit den im Winterschlaf liegenden Tieren stellen.

5. Von diesen sagt man, daß sie entweder aus der Verdichtung der Luft oder aus der Ausdünstung des eigenen Körpers Nahrung erhalten und so in ihrem Wachstum nicht gehemmt seien.

6. Und doch, wenn die Gottheit nach ihrer Meinung Nahrung erhält, ohne ein Bedürfnis zu haben, welchen Zweck bat dann die Nahrung für das Bedürfnislose?

7. Wenn sich aber die Gottheit, obwohl sie von Natur bedürfnislos ist, daran freut, geehrt zu werden,4 so ist es nicht unrichtig, wenn wir Gott durch unser Gebet ehren, und dieses Opfer senden wir als bestes und heiligstes mit Gerechtigkeit5 zu Gott empor, indem wir ihn mit vollstem Recht6 ehren und den, den wir kennengelernt haben, eben damit preisen, wodurch wir die Erkenntnis erlangen.

8. Jedenfalls ist unser Opferaltar hier die irdische Gemeinschaft derer, die sich den Gebeten geweiht haben, eine Gemeinschaft, die gleichsam eine gemeinsame Sprache und eine einheitliche Gesinnung hat.

9. Die Ernährung durch den Geruchssinn ist zwar der Gottheit weniger unwürdig als die durch den Mund, aber sie ist doch ein Beweis für das Vorhandensein einer Atmung.

1: Menandros, Dyskolos Fr. 129,5-7 CAF III p. 39.
2: Vgl. Hom. Il. 4,49; Protr. 18,2.
3: 1
4: 2
5: 3
6: 4

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger