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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXXVII. (Nr. 73.) An Hieronymus

8.

Indem ich mich aber an diesen Worten, die nun nicht mehr bloß die deinigen, sondern auch die meinigen sind, erfreue und erquicke und sogar gerade aus unserer beiderseitigen Sehnsucht, obwohl sie ziellos umherirrt, keinen geringen Trost schöpfe, dadurch bohren mich wieder die Stacheln des heftigsten Schmerzes bei dem Gedanken, daß zwischen euch, denen Gott eben in reichster Fülle das verliehen hatte, was jeder von uns sich wünschte, nämlich in innigster Freundschaft verbunden gemeinschaftlich miteinander den Honig der heiligen Schriften zu schlürfen, eine so verderbliche Bitterkeit sich eingenistet hat. Wann, wo, für wen wäre dies nicht furchtbar? Und euch konnte dies begegnen zur Zeit, da ihr schon die Last der Welt von euch geworfen hattet und frei dem Herrn nachfolgtet, da ihr zusammen in einem Lande lebtet, in dem der Herr, in menschlicher Natur wandelnd, gesprochen hat: „Meinen Frieden gebe ich euch, meinen Frieden hinterlasse ich euch“1, — euch konnte dies begegnen, euch, Männern von gereiftem Alter, die im Worte des Herrn ihre Wohnung aufgeschlagen haben? Wahrhaft, „eine Versuchung ist das Leben des Menschen auf Erden“2. Wehe mir, daß ich euch nirgends auf Erden beisammen treffen kann! Vielleicht würde ich, wie mein Gefühl, mein Schmerz, meine Furcht es mir eingeben würden, zu euren Füßen fallen, aus Herzenstiefe weinen und nach der Größe meiner Liebe bald jeden von euch für sich selbst, bald den einen für den anderen anflehen, auch für die übrigen und besonders „für die Schwachen, für die Christus gestorben ist“3 und die mit großer Gefahr für sich selbst euch auf der Schaubühne des Lebens betrachten. Ich flehe euch an, doch nicht auf schriftlichem Wege Dinge über euch auszustreuen, die ihr nicht mehr auslöschen könnt, wenn ihr wieder einmal im Frieden miteinander verkehrt, obwohl ihr ihm zurzeit abgeneigt seid, oder die ihr zur Zeit der Eintracht aus Furcht vor Wiederausbruch des Streites nicht lesen möchtet.

1: Joh. 14, 27.
2: Job 7, 1.
3: 1 Kor. 8, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger