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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch

V. Kapitel

28.

1. Oder ist es denn nicht richtig und wahr, daß wir den, der durch nichts begrenzt werden kann, nicht auf irgendeinen Raum beschränken, und das, was alles in sich schließt, nicht in Tempel einschließen, die "von Menschenhänden gemacht"1 sind?2

2. Denn welches Werk von Baumeistern und Steinmetzen und von Handwerksarbeit könnte denn auch heilig sein?3 Ist es nicht besser als eine solche Gottesverehrung, wenn man die Luft und den sie umschließenden Himmel oder vielmehr die ganze Welt und das All für würdig der Erhabenheit Gottes erachtet?4

3. Denn es wäre doch wirklich, wie die Philosophen selbst zugeben, lächerlich, wenn ein Mensch, der ein "Spielzeug Gottes"5 ist, Gott machen wollte und Gott so als ein Scherzstück der Kunst entstünde.6 Denn alles, was entsteht, ist das nämliche oder doch ähnlich wie das, woraus es entsteht, wie z. B. das aus Elfenbein Hergestellte elfenbeinern und das aus Gold Hergestellte golden ist.

4. Und die von [S. 34] menschlichen Handwerkern verfertigten Götterbilder und Tempel werden aus leblosem Stoff gemacht, so daß auch sie selbst leblos und stofflich und unheilig sind. Und wenn du auch die Kunst zur Vollendung führst, so bleibt an ihnen doch immer noch etwas Handwerksmäßiges haften. Also sind die Werke der Kunst nicht mehr heilig und göttlich.

5. Was könnte auch irgendwo festgesetzt werden,7 wenn es nichts gibt, was nicht bereits festgesetzt ist, da sich ja alles im Raume befindet? Ferner wird doch alles, was festgesetzt wird, von irgend jemand festgesetzt, während es vorher nicht festgesetzt war.

6. Wenn also Gott von Menschen eingesetzt wird, so hatte er zuvor keine feste Stätte und war überhaupt nicht vorhanden.

7. Denn das Nichtseiende, das ist es wohl, was nicht festgesetzt ist; denn alles Nichtseiende muß erst festgesetzt werden. Das Seiende kann aber wohl nicht von dem Nichtseienden festgesetzt werden, aber auch nicht von einem anderen Seienden; denn es ist schon für sich selbst etwas Seiendes.

1: Vgl. Apg 17,24.
2: Vgl. Strom. II 6,1-3.
3: Vgl. Zenon Fr. 264 v. Arnim; Strom. V 76,1 mit Anm.
4: Vgl. Apg 7,49 (Jes 66,1 f.); Clemens denkt vielleicht an die Stoiker.
5: Vgl. Platon, Gesetze VII p. 803 C.
6: Vgl. ebd. X p. 889 CDE.
7: Clemens spielt hier mit den beiden Bedeutungen von (xxx), was sowohl "aufstellen, festsetzen" als auch "weihen" bedeutet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger