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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXVI. (Nr. 44.) An Eleusius, Glorius und die beiden Felix

V. 10.

Ich kehrte hierauf zur vorhergegangenen Erörterung zurück, in der ich nachweisen wollte, daß weder wir ihnen ihre Freveltaten vorwerfen noch sie uns einen Vorwurf machen sollten, wenn sich bei den Unserigen solche Taten fänden. Aus dem Neuen Testamente könne man zwar nicht zeigen, daß ein Gerechter jemanden getötet habe; doch könne man durch das Beispiel des Herrn selbst beweisen, daß die Lasterhaften von den Unschuldigen ertragen worden seien. So hat er seinen Verräter, der schon die Silberlinge für ihn in Empfang genommen hatte, bis zum letzten Friedenskusse bei sich unter den gerechten Aposteln geduldet. Er verschwieg ihnen nicht, daß einer unter ihnen sei, der ein so schweres Verbrechen begangen hatte; aber er reichte doch, ohne den Verräter auszuschließen, allen gemeinsam zum ersten Male das Sakrament seines Leibes und Blutes. Dieses Beispiel machte fast auf alle Eindruck; nun versuchte er zu behaupten, vor dem Leiden des Herrn habe diese Gemeinschaft mit einem Lasterhaften keinen Schaden gebracht, da sie noch nicht die Taufe Christi, sondern nur die Taufe des Johannes empfangen hätten. Als er dies sagte, fragte ich ihn sogleich, warum denn geschrieben steht, daß „Jesus mehr Menschen getauft habe als Johannes, da doch nicht er selbst taufte, sondern seine Jünger“1, das heißt er durch seine Jünger taufte. Wie konnten sie also etwas geben, was sie nicht empfangen hatten2? Oder taufte etwa Christus mit der Taufe des Johannes? Ich war im Begriffe, in betreff dieser Ansicht noch viele Bedenken geltend zu machen, z. B. wie es komme, daß Johannes selbst, über die Taufe des Herrn befragt, geantwortet habe, „dieser habe die Braut und sei der Bräutigam“3. War es etwa in der Ordnung, daß der Bräutigam mit der Taufe des Johannes, das heißt seines Freundes und Dieners taufte? Ferner, wie konnten die noch nicht Getauften die Eucharistie empfangen? Oder wie konnte Petrus, als er ganz gewaschen sein wollte, zur Antwort bekommen: „Wer einmal gewaschen ist, hat nicht nötig, noch einmal gewaschen zu werden, sondern er ist ganz rein“?4 Vollkommene Reinigung bewirkt ja nicht die Taufe des Johannes, sondern die des Herrn, wenn der Empfänger sich ihrer würdig erweist; erweist er sich aber als unwürdig, so bleiben dennoch die Sakramente in ihm, aber nicht zum Heile, sondern zum Verderben5. Als ich also diese Fragen im Begriffe war aufzuwerfen, sah Fortunius selbst ein, daß er die Frage von der Taufe der Jünger des Herrn nicht hätte heranziehen sollen.

1: Joh. 4, 1 und 2.
2: eine von den Donatisten selbst häufig behandelte Frage
3: Ebd. 3, 22-29.
4: Ebd. 13, 10.
5: Si autum indignum, sacramenta in eo non ad salutem, sed ad perniciem permanebunt tamen: scharf und deutlich ist in diesen Worten die kirchliche Lehre von der Wirksamkeit der Sakramente ex opere operato ausgesprochen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger