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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXV. (Nr. 43.) An Glorius, Eleusius, die beiden Felix, Grammatikus und alle übrigen, die dies lesen wollen

23.

Aron übt Duldung gegen das Volk, als es nach einem Götzenbild verlangt, es verfertigt und anbetet1. Moses erträgt die vielen Tausende, die gegen Gott murren und so oft seinen heiligen Namen beleidigen. David erträgt die Verfolgung des Saul, der lasterhaften Wandels sich vom Himmlischen abwandte und mit Zauberkünsten sich der Hölle zuwandte2; er nimmt Rache für seinen Tod und nennt ihn wegen des Geheimnisses der heiligen Salbung den Gesalbten des Herrn. Samuel erträgt die bösen Söhne des Heli und die Verkehrtheit seiner eigenen Söhne, während das Volk von der göttlichen Wahrhaftigkeit und mit göttlicher Strenge bestraft wurde, weil es sie nicht ertragen wollte. So erträgt er auch das stolze Volk, das Gott verachtet3. Jsaias erträgt diejenigen, gegen die er so viele wahrheitsgemäße Beschuldigungen schleudert. Jeremias erträgt diejenigen, von denen er so Arges erleidet. Zacharias erträgt die Pharisäer und Schriftgelehrten, die wirklich die unangenehmen Eigenschaften besaßen, die ihnen die Heilige Schrift bezeugt4. Ich weiß, daß ich viele übergangen habe; wer will und kann, lese im Worte Gottes, und er wird finden, daß alle heiligen Diener und Freunde Gottes immer unter ihrem Volke Leute hatten, die sie ertragen mußten. Wenn sie desungeachtet mit ihnen in Gemeinschaft die damaligen Sakramente5 gebrauchten, so zogen sie sich hierdurch nicht nur keine Befleckung zu, sondern ihre Duldung gereichte ihnen zum Lobe, da sie, wie der Apostel sagt, „die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren strebten“6. Man soll auch beachten, daß wir nach der Ankunft des Herrn noch weit mehr solche Beispiele von Duldung finden würden, wenn man alle hätte aufschreiben und in die Heilige Schrift bringen können. Doch achtet auf die, die uns überliefert sind! Der Herr selbst erträgt den Judas, einen Teufel, Dieb, seinen Verkäufer! Er gestattet, daß er in Mitte der unschuldigen Jünger das empfängt, was den Gläubigen als unser Schatz bekannt ist7. Es ertragen die Apostel „die falschen Apostel“8, und Paulus, der nicht das Seine sucht, sondern das, was Jesu Christi ist, verkehrt voll der ruhmwürdigsten Duldsamkeit mit jenen, „die das Ihrige suchen, nicht das, was Jesu Christi ist“9. Endlich wird, wie ich oben angeführt habe, ein Kirchenvorsteher unter dem Namen eines Engels vom Worte Gottes gelobt, weil er die Bösen zwar haßte, sie prüfte und entlarvte, aber doch um des Namens des Herrn willen duldete.

1: Exod. 32, 1-4. Freilich ging diese Duldung viel zu weit, aber Augustinus führt dieses Beispiel an, weil Aron den Verkehr mit dem Volke nicht abbrach.
2: 1 Kön. 18, 10-24 und 2 Kön. 1, 1-16.
3: 1 Kön. 2, 12-26 und 8, 1-22.
4: Wahrscheinlich mit Beziehung auf Matth. 23, 35, wo Christus von Zacharias, dem Sohne des Barachias, spricht, der zwischen Tempel und Altar getötet worden sei. Da der heilige Augustinus die Pharisäer und Schriftgelehrten, wie sie von der Heiligen Schrift geschildert werden, damit in Verbindung bringt, so scheint er dabei an Zacharias, den Vater des heiligen Johannes des Täufers, gedacht zu haben. Der heilige Hieronymus verwirft in seinem Kommentar zum Matthäusevangelium diese Ansicht durchaus und glaubt, es sei jener Zacharias gemeint, der nach 2 Chron. 24, 21 im Vorhof des Tempels getötet wurde.
5: Siehe Seite 57 Anmkg. 2 und Seite 142 Anmkg. 2.
6: Eph. 4, 3.
7: Joh. 12, 4-6 und Matth. 26, 14-26.
8: 2 Kor. 11, 13.
9: Phil. 2, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger