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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXV. (Nr. 43.) An Glorius, Eleusius, die beiden Felix, Grammatikus und alle übrigen, die dies lesen wollen

V. 14.

Wenn euch aber die Akten des Prokonsuls nicht gefallen, so glaubet kirchlichen Aktenstücken! Sie sind euch alle der Ordnung nach verlesen worden. Oder durfte etwa Melchiades, der Bischof der römischen Kirche, mit seinen Bischöfen jenseits des Meeres nicht eine Streitsache vor sein Forum ziehen, wenn auch schon siebzig afrikanische Bischöfe unter dem Vorsitze des Primas von Tigisis über sie ein Endurteil gefällt hatten? Wie dann, wenn er sie gar nicht selbst vor sein Forum gezogen hatte? Vielmehr schickte der Kaiser auf Ansuchen Bischöfe als Richter, die mit ihm Gericht halten und über die ganze Streitfrage ein gerechtes Urteil fällen sollten. Dies beweisen wir durch das Bittgesuch der Donatisten und durch die Worte des Kaisers selbst1. Ihr erinnert euch, daß euch beide Dokumente verlesen wurden, und jetzt steht es euch frei, davon Einsicht und Abschrift zu nehmen. Leset und erwäget alles! Sehet, mit welcher Sorgfalt alles für die Erhaltung und Wiederherstellung des Friedens erörtert wurde, in welchem Grade die Person der Ankläger in Betracht gezogen wurde, mit welchen Flecken einige von ihnen behaftet waren und wie aus den Angaben der Anwesenden klar und deutlich hervorging, daß sie nichts gegen Cäcilianus zu sagen wußten, sondern die ganze Sache auf das Volk von der Partei des Majorinus2, das heißt auf eine aufrührerische und dem Frieden der Kirche entfremdete Masse hinüberschieben wollten, damit dieser Pöbel als Ankläger des Cäcilianus erscheine; wie sie nur mit lärmendem Geschrei die Richter dahin bringen zu können glaubten, daß sie ohne Prüfung der Beweismittel, ohne Untersuchung der Wahrheit sich für sie entscheiden sollten. Es müßte denn die rasende, vom Becher des Irrtums und der Verführung trunkene Menge damals wahre Verbrechen gegen Cäcilian ausgesagt haben, als die siebzig Bischöfe abwesende und, wie hinsichtlich des Felix von Aptunga schon bewiesen war, unschuldige Amtsgenossen in so widersinnigem Frevel verurteilten. Wie sie jenem Pöbel beigestimmt hatten, als sie gegen Unschuldige ohne Verhör ein Urteil fällten, so wollten sie, daß eben jener Pöbel wiederum den Cäcilian anklagte. Aber sie hatten es jetzt wahrlich nicht3 mit Richtern zu tun, die sich zu einem so widersinnigen Verfahren hätten bereden lassen.

1: Die betreffenden kaiserlichen Erlasse bei Eusebius, Kirchengeschichte X 5 und 6.
2: Von dem donatistischen Bischof in Karthago als Nachfolger Cäcilians geweiht.
3: Ich lese an dieser Stelle mit der Maurinerausgabe gegen die Wiener Ausgabe non tales.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger