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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXIV. (Nr. 40.) An Hieronymus

IV. 4.

Nicht ich habe dich darüber zu belehren, wie zu verstehen sei, was derselbe Apostel sagt: „Ich bin für die Juden wie ein Jude geworden, um die Juden zu gewinnen“1, und was noch weiter an jener Stelle aus mitleidigem Erbarmen, nicht aus lügenhafter Verstellung gesagt ist. So steht unbewußt auch der, der einen Kranken pflegt, unter dem Einflusse der Krankheit, nicht indem er Fieber zu haben fälschlich vorgibt, sondern indem er mit mitleidiger Seele bedenkt, wie er wohl behandelt werden möchte, wenn er krank wäre. Er war zwar allerdings Jude, aber er war Christ geworden, ohne die heiligen Gebräuche2 der Juden aufzugeben, die jenes Volk passend und gesetzmäßig für die Zeit, da es ihrer bedurfte, empfangen hatte. Daher unterzog er sich ihrer Feier, auch als er schon Apostel Christi war. Aber er wollte dadurch nur zeigen, daß sie keineswegs denen schädlich seien, die sie auch nach Annahme des christlichen Glaubens noch in der ihnen von den .Eltern überlieferten und vom Gesetze vorgeschriebenen Weise beobachten wollten; nur sollten sie nicht mehr auf sie die Hoffnung ihres Heiles bauen, da mit dem Herrn Jesus Christus das durch jene heiligen Gebräuche vorbedeutete Heil selbst bereits gekommen war. Deshalb glaubte er auch durchaus nicht, sie den Heiden aufbürden zu dürfen, da sie deren ungewohnt waren und durch diese schwere und nicht notwendige Last vom Glauben abgehalten werden konnten.

1: 1 Kor. 9, 20.
2: Auch das Konzil von Trient (Sess. 7 can. 2) redet von solchen sacramenta des Alten Bundes. Es sind darunter zu verstehen die vorbildlichen heiligen Handlungen, die im Gesetze geboten waren, z. B. Beschneidung, Opfer usw.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger