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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXII. (Nr. 36.) An Casulanus

12.

Scheinen diese Worte nicht darauf hinzuzielen, daß man auch am Sonntage fasten solle? Sonst wird der Sabbat, an dem der Herr im Grabe geruht hat, heiliger sein als der Sonntag, an dem er von den Toten auferstanden ist. Gewiß ist dann der Sabbat heiliger, wenn — nach den Worten dieses Mannes — am Sabbate infolge des Fastens jede Sünde unterbleibt und getilgt wird, was an anderen Tagen begangen wurde, am Sonntag aber infolge der Speise die Versuchung des Fleisches nicht verhütet, dem Kunstgriff des Teufels Spielraum gelassen, das Paradies und die Erstgeburt verloren wird. Wie kommt es, daß er dann wieder im Widerspruch mit sich selbst die Mahnung gibt, nicht etwa, man solle sich am Sonntage mit einem bescheidenen, nüchternen, christlichen Mittagsmahle laben, sondern sich in Unvernunft freuen und dabei mit Händeklatschen singen: „Du hast, o Herr, die leere Seele gesättigt, die dürstende Seele getränkt.“ Wenn wir nämlich beim Fasten nicht sündigen, sondern noch die Sünden der anderen sechs Tage durch das Sabbatfasten tilgen, so ist kein Tag schlimmer als der Sonntag, keiner besser als der Sabbat. Glaube mir, geliebtester Bruder, niemand versteht das Gesetz gleich jenem Manne, außer einer, der es nicht versteht. Denn wenn nicht die Speise, sondern die verbotene Speise den Adam zugrunde gerichtet hat, und den Esau, den Enkel des heiligen Abraham, gleichfalls nicht die Speise, sondern die Begierde nach ihr, die bis zur Geringschätzung des in seiner Erstgeburt liegenden Geheimnisses ging, verdammt hat, so wird in gottgefälliger Weise von heiligen und gläubigen Menschen ein Mittagsmahl genommen, von gottesräuberischen und ungläubigen aber in sündhafter Weise gefastet. Der Sonntag aber hat den Vorrang vor dem Sabbate wegen des Glaubens an die Auferstehung, nicht wegen der gebräuchlichen Erquickung oder gar weil man sich ein weinlauniges Liedchen erlaubt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger