Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil) Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410). XIX. (Nr. 33.) An Proculeianus
2. Wundere dich aber nicht, daß ich so lange deiner Wohlwollenheit gegenüber geschwiegen habe. Ich glaubte nicht, daß du in der Tat jene Ansicht hegtest, wie mir der Bruder Evodius, dem ich Glauben schenken muß, voller Freude berichtete. Nach seinem Berichte nämlich hat deine Wohlwollenheit, als er zufällig in demselben Hause wie du zugegen war und sich zwischen euch ein Gespräch über unsere Hoffnung, das ist über die Erbschaft Christi, entspann, geäußert, du würdest dich, wenn einwandfreie Männer den Vorsitz führten, in ein Religionsgespräch mit uns einlassen. Groß ist meine Freude, daß du meiner Niedrigkeit einen solchen Vorschlag zu machen dich gewürdigt hast; und gern will ich diese günstige Gelegenheit deiner wohlwollenden Gesinnung benützen, um mit dir, so weit mir Gott die Kräfte hierzu verleihen will, zu untersuchen und zu besprechen, welches die Ursache, der Ursprung und die Veranlassung jener so bejammernswerten und beklagenswerten Spaltung gewesen ist in der Kirche Christi, der da gesagt hat: „Meinen Frieden gebe ich euch, meinen Frieden hinterlasse ich euch“1.
1: Joh. 14, 27.
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